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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kraez_39/0067
Ein Gulden für das „Maistern der Staig66
Im Unterschied zu Karoline Grüner, die den Bau
der Steige ins 16. Jahrhundert in die Zeit von Rochus
Merz datiert, geht Alfons Brauchle von einer
Bauzeit erst nach dem Dreißigjährigen Krieg im
17. Jahrhundert aus.8 Allerdings finden sich in
den Rechnungen der damaligen Marktgemeinde
Schramberg bereits für 1608 und ab 1620 Belege
für Straßenunterhaltungsarbeiten:9

„1608: Georg Müller Crammer in Schramberg
tvürd Jährlichs als wegen Maistern der Staig vom
Schramberg thal dem Sulgen zu für sein habende
Mühe geben 1 fl [Gulden] [...]
1620; Georg Müller Kramer in Schramberg als
Weegemeister wirdt zu Erhaltung des neüwen
Weegs & Steyg vom Schrambergerthal nach Sulgen
für sein Müh jährlich geben 1 fl Summa [...]

Zur Flößerei wurde das Holz nach Notizen von
Alfons Brauchle10 von der Sulger Steig herunter, wo
das Holz in heute noch sichtbaren Riesen herunterbefördert
wurde, zunächst über den Mühlenteich
bis an die Schiltach gebracht.Dafür waren zunächst
4 und dann weitere 12 Heller Zoll zu bezahlen. Ein
„Bodenstrom" (Floß) bestand aus zwölf „Tröm"
(Baumstämmen), seien sie nun klein oder groß.

Ins 17. Jahrhundert fallen auch die ersten Hinweise
auf eine heute verschwundene Hinrichtungsstätte
an der damals neuen Steige, wie die
Heimat Schriftstellerin ausführt:

Ein Galgen zur Abwehr der Hexerei

„ Trotz der schweren Zeit und der durch dieselbe
verursachten Trübsale besserten sich die Menschen
nicht, sondern sie verfielen noch in den tiefen
Aberglauben der Hexerei. Im Jahre 1647 bewegte
sich zweimal ein trauriger Zug die Steig hinauf
zur Richtstatt. Es wurden zwei Personen, ein Mann
und eine Frau, wegen Hexerei hingerichtet beim
Steighäusle. Darum hat das Gelände rechts an der
Steig unter dem Kühlloch heute noch den Flurna-

8 s.Anm. 4

9 Stadtarchiv Schramberg, Nachlass Alfons Brauchle, RE 1552
bis 1702

10 Kommentar zum Urbar des Rochus Merz von 1549 im
Stadtarchiv, überarbeitet von Martin Dilger

men: Am Schnellgalgen (von hinaufschnellen),
weil ein Galgen an dem Platz, in der Nähe der
Straße, zum abschreckenden Beispiel für die Vorübergehenden
erstellt war. Die Bezeichnung Schnellgalgen
ist heute noch im Grundbuch von Schramberg
für die dortigen Felder maßgebend.

Die Hexen, welche zum Feuertod verurteilt worden
waren, wurden in der Nähe vom Steighäusle verbrannt
; sie wurden durch [den] von Nordost nach
Süden führenden, zwischen Frau Zeller Wwe. und
dem jungen, der H. U. gehörenden Wald sich hinziehenden
Fußweg hinaufgeführt, weshalb der
Fußweg bis in unsere Zeit herein von alten Leuten
Hexensteigle genannt wird.

freches Weibsbild" blutig geschlagen

Im Jahre 1682 (nach einem Aktenbuch aus der
Zeit des Grafen Hamilton 11 ) nannte eine Elisabeth
Waldvogel von Mariazell eine Bürgersfrau von
Schramberg, welche in dem an das Gasthaus zum
Hirsch angebauten Haus wohnte, Hexe. Da dies
als höchste Beleidigung und Ehrenkränkung galt,
versammelte sich sogleich eine große Menschenmenge
, da gerade Jahrmarkt war, und verschlugen
dem frechen Weibsbild ihre ausgelassene Gösch,
daß ihr das Blut aus Maul und Nase lief. In diesem
Zustand, ohne dass sie sich waschen oder verbinden
durfte, wurde sie vom Butz 12 unter Hohngelächter
die Steig hinauftransportiert und durfte
den Markt in Schramberg nie mehr besuchen.

Der Hexenwahn dauerte in Schramberg noch fort,
bis ins Ende des letzten Jahrhunderts. Es gab damals
noch viele Frauen, welche nach dem Läuten
der Gebetglocke am Abend keine Milch mehr verkauften
vor lauter Angst, es könnte eine Hexe die
Milch verhexen. Die Leute waren nicht zu bekehren,
trotzdem der 1824 hier angestellte und allseitig
als gescheiter Mann und beliebter Lehrer hochgeachtete
Wendelin Waller 40 Jahre hindurch gegen
ihn ankämpfte. Seine Schüler erzählten oft noch
in späteren Jahren, wie er sich Mühe gab, diesen
Aberglauben in Schramberg auszurotten; gar oft

11 Der vorderösterreichische Landvogt Jakob Graf von Hamilton
war von 1692 bis 1695 Besitzer der Lehnsherrschaft
Schramberg.

12 vom Polizeidiener

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