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Pferde haben auf der Steige über die Jahrhunderte eine große Rolle gespielt. Für ihre Versorgung brauchte
es Brunnen und Futter, für ihre Unterbringung etwa bei militärischen Einquartierungen Ställe wie auch für
ihre Besohlung Hufschmiede; hier eine Neujahrspostkarte von der unteren Steige aus dem 20. Jahrhundert
mit Pferden vor der Schmiede der Familie Fichter. Foto: Sammlung Kohlmann
Besonders hatte der große Brand in Schramberg,
der ein Jahr zuvor, am 27. Mai, ausgehend vom
Färber Flaig, in drei Stunden alle Häuser rechts
und links, vom Rathaus an bis zum 'Schützen', im
ganzen 43 Gebäude in Asche legte, die Einwohner
in Schrecken und teilweise in große Armut versetzt.
Russisches Militär quartiert sich ein
Aber trotz der großen Armut der Bevölkerung von
Schramberg wurde sie wieder neuerdings mit Militärlasten
heimgesucht. 1813 am Johannistag
rückten mitten im Winter 16.000 Russen die Steig
herab und nahmen Quartier in Schramberg und
Umgebung, wo Großfürst Konstantin von Russland
sein Hauptquartier für längere Zeit im gräflichen
Schloss aufgeschlagen hatte.
Nach Recherchen von Franz Fehrenbacher war
Schramberg nach der Völkerschlacht von Leipzig
im Oktober 1813 schwer betroffen von Durchzügen
vorwiegend russischer Truppen bei der
Verfolgung Napoleons.20 Im Dezember bezogen
20 veröffentlicht im Schwarzwälder Bote, s. Sammlung Dieter
Kohlmann
besonders viele Truppenteile Quartier. Am Johannistag
(27. Dezember) kamen unter dem Kommando
des russischen Fürsten Trubezkoj fast
1000 Mann (nicht jedoch 16.000), zwei Tage darauf
nochmals über 600 und am 30. Dezember
1500 Offiziere und Mannschaften mit Großfürst
Konstantin - mithin über 3000 Menschen in diesen
Tagen, dazu über 1300 Pferde.
Wie Karoline Grüner berichtet, hatte die Bevölkerung
darunter zu leiden:
Die Russen wurden eine ungeheure Last für die
Einwohner von Schramberg, denn nicht nur Quartierlasten
fielen ihnen zu, sondern sie verlangten
auch noch viel Schnaps, und mancher Bürger war
infolgedessen gezwungen, einen Acker oder ein
Stück Wald zu verkaufen oder zu versetzen. Trotzdem
sich die Schrambergerfreuten, als die Russen
über Lauterbach abzogen, wurde von alten Leuten
noch hundertJahre später mit Abscheu von ihnen
geredet. [...]
Bei ihrem Abzug verlangten die Russen noch
Schnaps zum mitnehmen und die schönen Fla-
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