Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., M 8335,g
Lindner, Pirmin August; Hauthaler, Willibald [Mitarb.]
Monasticon Episcopatus Augustani antiqui: Verzeichnisse der Aebte, Pröpste und Aebtissinnen der Klöster der alten Diözese Augsburg
Bregenz, 1913
Seite: 46
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Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Benediktiner-Abteien — Benediktbeuern.

verkaufte Utzschneider das ehemalige Kloster mit sämtlichen
Nebenbesitzungen, Oekonomiegebäuden und Waldungen an das
Militär-Aerar. Der nördliche und westliche Flügel des im
Quadrat gebauten Klosters wurde vom Aerar zu einem Militär-
Fohlenhof eingerichtet. (Seit 1. April 1872 ist der offizielle Titel
Remonte-Depot.) Vom Jahre 1848—1863 war im Klostergebäude
(östlichen und südlichen Flügel) abwechselnd eine Eskadron oder
Bataillon der Münchener Garnison untergebracht. Am 28. Juli
1868 wurde das von König Max Joseph 1818 zu Fürstenfeld
gegründete Invalidenhaus nach Benediktbeuern verlegt, das im
Süd- und Osttrakt untergebracht war; am 1. April 1900 wurde
das Invalidenhaus geschlossen und 19. Jan. 1902 eine Genesungsanstalt
errichtet. Mit Ausnahme des Osttraktes (Convent und
Abteigebäude) ist alles übrige einstöckig. — Stiftsgebiet.
Dieses umfasste im Jahre 1803 8^5 □ Meilen mit ungefähr 4000
Einwohnern. Der grösste Teil des Gebietes waren Waldungen,
Alpenweiden. Das Stift betrieb deshalb auch einen bedeutenden
Holzhandel. Das Holz wurde aus der Jachenau in die Isar
geflösst. Ebenso hatte es ausgedehntes Fischerei- und Jagdrecht
und in der Nähe des Klosters einen ergiebigen Marmorbruch.

_ Tätigkeit: A) Unterricht. Zu Benediktbeuern befand

sich mit nur geringer Unterbrechung v. Oct. 1698—1769 das sog.
„Studium commune" der bayerischen Benediktiner Kongregation,
welches die philosophischen und theologischen Kurse umfasste. —
Seit Ende des 17. Jahrhunderts leitete das Stift bis zur Aufhebung
ein vollständiges Gymnasium, mit dem ein Convikt verbunden
war; zeitweilig war Gelegenheit, auch die beiden philosophischen
Kurse zu hören. — B) Seelsorge: Benediktbeuern pastorierte
9 Ortschaften.1) — Benediktbeuern hat eine grosse Zahl von
Gelehrten aufzuweisen. Alle überragt weit P. Carl Meichelbeck
(1734), der Historiograph des Bistums Augsburg sowie seines
Stiftes. Ausserdem seien hier nur noch erwähnt P. Florian Treffler
(f 1565), P. Aegidius Jais (f 1822) und Dr. Aloys Buchner
(f 1869). — Bibliothek: Was alte Codices MSS. anbelangt, so
besass Benediktbeuern wohl ebenso viele wie Tegernsee. Ziffermässig
lässt sich das nicht mehr bestimmen. Wir wissen nur, welche
Codd. MSS. aus Benediktbeuern sich jetzt zu München befinden.
Aua dem 8. Jahrh. neun, aus dem 9. vier, aus dem 10. sechs,
aus dem 11. siebzehn, aus späteren Jahrhunderten noch viel
zahlreichere. An Impressa der späteren Zeit war besonders das
historische Fach, hauptsächlich durch die Bemühungen des P. Karl
Meichelbeck und des P. Marian Wourstn (f 1793), gut vertreten.
— Ueber den vortrefflichen Stand des Stiftes in betreff der
Disciplin, sowie über dessen Verdienste um Hebung des
Volksschulwesens vergleiche man Lindner, Professbuch von
Benediktbeuern, Einleitung S. X und ffde.

Quellen: Duellius R., Miscellaneorum Liber H. Augustae
Vind. 1724. 1—10: Monumentum Benedictoburanum. Exscripsit
ex Cod. Pollingano A. R. D. Euseb. Amort. (Enthält 10 Capita
Incip.: „A° Domini 740." — explicit „Gothehalmo monasterium
regente restauratum est." Vergl. hierüber Mon. Germ. SS. IX.
211, Cod. Nr. 6.) — Meichelbeck C, Chronicon Benedictoburanum.
Pars H. instrumentaria 1751. (Enthält 428 Urkunden vom
XI. Jahrhundert bis 1738; einige aus älterer Zeit sind dem Texte

!) In alphabetischer Reihe waren es: l. Benediktbeuern. 2. Bichel.
3. Ehingen (L.-Kap. Westendorf). 4. Grossweil. 5. Heilbrnnn. 6. Jachenau.
7. Kochel. 8. Walchensee (zugleich Superior atj. 9. Wallensee. — Von
allen diesen genannten Orten befanden sich nur an drei residierende Seelsorger
(zu Benediktbeuern. Ehingen und Walchensee), alle übrigen wurden
excurrendo versehen. 2) Der Titel ist nicht zutreffend. Dr. Daffner beschränkte
sich auf Auszüge aus Meichelbecks Chronicon, so weit dieses
reicht. Aus späterer Zeit bringt er Notizen aus einem Kalender eines

seines Chronicons Pars 1. chronologisch eingefügt.) — Mon. boica.
VUf. (1761) 1—222: a) Rotulus historicus c. a. 1070 exaratus
(1—17). — b) Chronicon Benedictobur. c. a. 1150 compositum
(17—37). — c) Codex Traditionum ab anno c. 750—1271 (38-81).

— d) Diplomatarium miscellum ab 808—1514 (82—219). —
Excerpta genealogica 1253-1454 (219—223). — Mon. Germ. SS. IX.
210 — 238: a) Chronica videlicet Structura bujus monasterii (212
—217). — b) Continuatio Chronicae —1052 (217—221). —

c) Breviarium Gotschalchi. (Eine Art Chronik — 1032). Descriptio
praediorum et series abbatum usq. 1271 inclus (221—224). —

d) Translatio S. Auastasiae facta 1053, auctore Gotschalco (224
-229;. — e) Chronica Mon Benedictoburani 740—1139 (229—237).

f) De H. 1U. et IV. incendio mon. Beaedictob. 1248, 29. Dec.
1377 et 11. Maii 1490 (237—238). — T. XVU 319 -322 Anuales
Benedictoburani 1109-1278 et Notae Burauae 989-1063. —
Mon. Germ. Necrol. I. 3—7. Necrologium Benedictoburanum
c. 1150. — Pez B., Thesaurus Anecdotorum Tom. HJ. Pars III.
(1721) 595—656. Monumenta vetera historiam inclyti monasterii
Benedictoburani illustrantia u. zwar: a) Breve sed perantiquum
chronicon monasterii Benedictoburani ex codice monasterii Ettaleusis
O. S. B. erutum ab Adm. 11. et Clar. P. Carolo Meichelbeck, qui notulas
adjecit (595—603). — b) Berum Benedictoburanarum notitiae
antiquae ex diversis codicibus collectae (606 -631). — c) Epistolae
Beuedictoburanae ex diversorum monasteriorum codicibus mss.
(632—646). — d) Anonymi Benedictoburani, historia Fontis Salutis
in Bavaria e cod. ms. communicata ab A. R. P. Greg. Zoedl,
Bibliothecario Benedictoburano (647— 656). — Zintgraf, s. bei
Diessen. 2 Heiligenkalendarien aus Bened., veröff. von Schröder,
die ältesten Heiligenkalendarien des Bistums Augsburg. (Archiv
f. d. Gesch. d. Höchst. Augsburg I.)

Literatur: Drucke: Daffner Dr. med., Geschichte des
Klosters Benediktbeuern. München (Liter. Institut) 1893. 431 S.
Lex 80.2) — Hundius, Metropolis, Edit. H. II. 95 -100. (Mit Reihe
der Aebte bis 1604.) — Khamm Corb, Hierarchia Augustana,
Pars Hl. Regularis, 209—216. (Reihe der Aebte bis 1707 und
bist. Notizen über die incorporierten Stationen.) — Lindner Pirmin,
Professbuch der Benediktiner-Abtei Benediktbeuern, Kempten
1910, XU u. 193 S. Lex 8°. — Meichelbeck Carolus, a) Chronicon
Benedictoburanum Opus posthumum prodit curante P. Alphonso
Haidenfeld (Sumptib. Mon.) Sine loco. Pars I. 1752. 10 Bl.
XCU + 410 S. Pars H. seu instrumentaria 1751. 288 S. -f 25 Bl.
b) Desselben: Leben, Leyden und Todt, Erhebung und gnadenreiche
Gutthätigkeit der grossen hl. Martyrin Anastasia etc.
München (Riedl) 1710. 4 Bl. + 223 S. 8°. (Mit Titelkupfer.) —
Dr. A Scheglmann, Saecularisation, 3. Bd. 1. Teil, 297—328. —
Stengelius C, Monasteriologiae Pars I. 1619. Historische
Beschreibung und Bild des Klosters, Blatt 15. (Der Text allein
steht auch bei Kuen, Collectio Script. T. I. 19—23.)

Kleinere Notizen. Histor. pol. Blätter, XIH. (1844)
444- 449 u. 484-493. (Notizen über die Aufhebung 1803.) —
Hazzi, Statistische Aufschlüsse, II. (1802) 35—51.s) — Hirsching,
Klosterlexikon, 333-339. (Mit Angabe der wichtigsten Literatur.)

— Lexikon von Bayern, Ulm, I. 316—323, 565, 568, Supplement
37. — Morawitzky, Uebersicht der vom Kloster Benediktbeuern

Conventualen von Benediktbeuern, dessen Namen ihm nicht bekannt war
(Es ist P. ül. Waldenburger, f 1783, vide Nr. 377 ) Das Hauptgewicht von
Daffners Werk liegt vielmehr in den meisterhaften Schilderungen der
Naturschönheiten des ehemaligen Stiltsgebietes von Benediktbeuern und
an erster Stelle der Gegend von Jachenau und Walchensee. 3) Alle Artikel,
die Hazzi über die Klöster bringt, (es sind meist Nachrichten über ihren
wirtschaftlichen Zustand) sind in einem äusserst gehässigen Toa geschrieben.
Seine Notizen sind daher mit Vorsicht zu benützen.


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