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Feuchtwangen — S. Magnus-Stift in Füssen.
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10) Feuchtwangen
(saec. IX.-XII).
Feuchtwangen, im Kreis Schwaben (Bezirksamt Feuchtwangen
), 3 Stunden nördlich von Dinkelsbühel. Beim Verluste
sämtlicher älterer Urkunden ist man bezüglich der Stiftung nur auf
die Tradition angewiesen. Diese bezeichnet konstant Carl den Grossen
als Stifter. Patron: S. Salvator. Zuerst kommt Feuchtwangen
(Fiuhctinwauc) urkundlich vor 817 in den Synodalbeschlüssen
von Aachen. Im Jahre 825 kommt im Liber Confraternitatis von
Reichenau ein Abt Gozbert von Fiuhtuwanga unter den Verstorbenen
vor. Bei den Verheerungen der Ungarn-Einfälle fiel
Feuchtwangen sehr wahrscheinlich der Verwüstung anheim. Ungefähr
982 besetzte Tegernsee Feuchtwangen mit Mönchen. Der
Communität stand bis c. 1004 der Tegernseer Mönch Wigo als
Decanus vor. Von ihm haben sich in der Briefsammlung des
Mönches Froumund von Tegernsee noch 13 Briefe erhalten, die
Wigo in Angelegenheiten des neu besetzten Klosters an gekrönte
Häupter, an Bischof Liutold von Augsburg und an seinen Abt
zu Tegernsee und andere Personen schrieb. Diese Briefe sind
kostbare Reliquien und die reinste Geschichtsquelle für die
Zustände in Feuchtwangen am Ende des 10. Jahrhunderts. Gegen
Ende des 12. Jahrhunderts wurde Feuchtwangen in ein weltliches
Collegiat-Stift verwandelt. Der erste Saecular - Propst Heinrich
kommt 1197 urkundlich vor. Nach dem Tode des letzten Propstes
Johann Knorz (f 1540) wurde von den Markgrafen Georg und
Albrecht von Ansbach die protestantische Religion eingeführt und
1562 das Collegiat-Stift, das noch einige protestantische Decane
erhalten hatte, ganz aufgehoben.
Quellen: M. Ger. Lib. Confrater. 192, 193. Nomina fratrum
de coenobio Fiutwanga.
Literatur: Büttner, Franconia 1813. I. 69—102. (Kurze
Geschichte von geringer Bedeutung.) — Jacobi Chr., Geschichte
der Stadt und des ehemaligen Stiftes Feuchtwangen. Nürnberg
1833. — Steichele Dr., Bistum Augsburg HI. 333—404. (Quellen-
massige Geschichte nebst den 14 Briefen de3 Decans Wigo von
Feuchtwangen c. 982-1001.) — Sulzbacher Kalender. 1873.
I S. 78-89.
A) Abt Gozbert f vor 825J) II B) Decan Wigo c. 980 -1004
(iU || Prof. v. Tegernsee min
11) S. Magnus-Stift in Füssen
(s. VHI—1803).
Die St. Magnus-Abtei in Füssen in Schwaben (Allgäu)
verdankt ihren Ursprung dem hl. Magnus, Apostel des Allgäus.
Historisch steht folgendes fest: Im VHI. Jahrhunderte wanderte
der hl. Magnus, Mönch v. St. Gallen, geleitet von einem gewissen
Tosso, Presbyter aus der Gegend des Lechgaues (der nach
St. Gallen gekommen war) in Begleitung eines zweiten Mönches
v. St. Gallen, namens Theodor, in das östliche Allgäu. Der
Zweck war die Befestigung des christlichen Glaubens in der
dortigen Gegend. Der Mönch Theodor blieb zu Kempten, Magnus
aber zog mit Tosso zu Wichpert, dem Bischöfe von Augsburg,
der damals in einem Kastelle Epfach (Abodiacum) wohnte. Von
dort zog S. Magnus den Lech aufwärts und Hess sich bleibend
an dem Orte, wo nun Füssen ist, nieder. Er gründete dort eine
Zelle, sammelte Genossen, deren geistlicher Vorstand er wurde,
kultivierte die Gegend und brachte die umliegende Bevölkerung,
die noch heidnischen Gebräuchen huldigte, zur vollen christlichen
Wahrheit. Der hl. Magnus starb zu Füssen am 6. Sept. um die
Mitte (nach andern gegen Ende) des 8. Jahrhund ertes.2) Seine
Ruhestätte fand er zu Füssen. Circa 851 wurden seine Gebeine
erhoben und c. 898 schenkte Bischof Adalbero von Augsburg
einen Arm des Heiligen dem Bischöfe Salomo HI. von Constanz
(der zugleich Abt v. St. Gallen war), dieser schenkte diese Reliquie
nach St. Gallen in die dort kurz-vorher (c 890) erbaute hl. Kreuzkirche
, die er dann auch zu Ehren des hl. Magnus einweihte.
Man bewahrt zu Füssen noch vier Reliquien, die vom hl. Magnus
stammen, an deren Echtheit nicht zu zweifeln ist.3; Mit dem
') Liber Coni'rat. Aupr. divitis. Baumann ist für die Mitte des
8. .Tahrhundertes; Placidus Braun vermutet, er sei circa 7)2 gestorben.
3) Diese vier Stücke sind: l. Sein Wanderstab. 2. Sein Manipel. 3. Seine
unvergesslichen Werke des hl. Magnus war das östliche Allgäu
bleibend für das Christentum gewonnen. Nach seinem Tode blieb
die Zelle des hl. Magnus zu Füssen der Abtei St. Gallen untergeordnet
und erhielt von dieser der Tradition zu Folge auch das
erste Dotationsgut. (Siehe unten Besitzstand.) Wann die Zelle
eine selbständige Abtei wurde, lässt sich nicht mehr nachweisen.
Wahrscheinlich anlässlich der Erhebung seiner Gebeine c. 851.
Der erste urkundliche Abt wird 919 genannt. Das Stift besorgte
mit seinen Religiösen die Stadt-Pfarrei Füssen, auswärts das
1 Stunde entfernte Weissensee und von 1516—1786 excurrendo
auch Binswang in Tyrol. Zum Stifte gehörten die Propstei
Rückholz, wo stets ein Conventuale residierte, und in Südtyrol
die Statthalterei Gagers. Der letzte Abt Aemilian Hafner
eröffnete im Stifte 1790 ein Gymnasium und 1794 auch ein
Studenten - Convikt, die bis zur Aufhebung segensreich fortbestanden
. Die Strebsamkeit der Conventuahm war in den
letzten Zeiten eine sehr rege, als Schriitsteller mögen hier kurz
genannt werden die PP. Bened. Zimmermann, Basil Sinner,
Placidus Keller, Franz Eudress und Jos. Maria Helmschrott.
Durch die Saecularisation fiel das Stift dem fürstlichen Hause
Oettingen-Wallerstein zu. Die Fürstin Wilhelmina nahm 15. Dec
1802 davon Besitz und verfügte 14. Jan. 1803 die Aufhebung
und zugleich Räumung des Klosters, obschon Abt und Conveut
dringend gebeten hatten, man möge ihnen gestatten, als Pensionäre
im Kloster in Gemeinschaft abzusterben. Die jährlichen Einkünfte
des Stiftes wurden 1802 auf c. 28.000 fl. veranschlagt. Am
Stola. 4. Sein Ke!cb. Alle 4 stammen mindestens aus der Mitte des
8. Jahrhundertes und sind bei Baumann, Geschichte des Allgäus, 1. 97
abgebildet.
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