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Thierhaupten.
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18) Thie]
(S. VHI. resp.
Thierhaupten in Oberbayern (L.-G. Rain) wurde der Tradition
zufolge von Herzog Thassilo in der Mitte des achten Jahrhunderts
gestiftet. Es ging im 10. Jahrhundert zu gründe und wurde von
Gebhard I., Bischof von Regensburg c. 1022 neu gegründet. Patron :
S. Petrus et Paulus. Das Stift kam wiederholt dem Untergange
nahe, aber immer wieder nahm sich desselben das Stift St. Ulrich
von Augsburg an und schickte dorthin tüchtige Aebte. Im ganzen
erhielt Thierhaupten aus St. Ulrich 6 Aebte. Aufgehoben wurde
es von Kurfürst Max Joseph im März 1803. Das Stift besorgte die
Pfarrei des Marktes Thierhaupten (Patron der Pfarrkirche war
S. Georgius) und hatte keine exponierten Religiösen. Seit 1812
ist die ehemalige Stiftskirche Pfarrkirche; der letzte Abt, der die
Pfarrei übernahm, kaufte die Klosterkirche für 1100 fl. und richtete
sie neu ein, da sie bei der Aufhebung aller Einrichtung beraubt
worden war.
Quellen: Mon. boica XV. (1787) 89—145: a) Praef. de
fundat. 89-98. b) Series Abbatum 99—100. c) Diplomatarium
miscellum, 28 Urkunden von 1183—1492, 101—139. d) Excerpta
ex Necrologio 140—144. Mit Abbildung. — Mon. Germ Nec. I.
38—41. Necrologium Thierhauptanum.
Literatur: A) Allgemeines: Cherle Bened, Chiouo-
logia monastico-philosophica celeberrimi Monasteui S. P. Benedicti
in Thierhaupten. Augustae Vind. 1702, 191 S. 8°. (Enthält j
haupten
1022—1803).
S. 157—191 eine kurze Geschichte des Klosters mit Series
Abbatum; in Bezug auf die ältere Zeit nicht immer verlässlich.1)
Dehler Nicol., Geschichte des Klosters Thierhaupten, herausgegeben
vom historischen Verein für Donauwörth und Umgebung.
Donauwörth (L. Auer) 1908-1910 gr. S. 1—166. — Hundius,
Metrop. Ed. Ratisb. III. 283—285. (Mit Reihe der Aebte meist
aus Bruschius herübergenommen und ergänzt bis 1620). — Khamm,
Hierarchia Pars IU, reg. 359—363. — Scheglmann Dr. A.,
Saecularis. 3. Bd. I. Abteil. 821—837. — Zimmermann, churbayer.
geistl. Calend. 1. (1754) 199—220.
B) Specielles: Bibliothek: v. Aretin, Beyträge,
VI. Brief 32 S. 103. In der Münchner Staats-Bibliothek stammen
aus Thierhaupten die Codd. lat. 2100—21.121.
C) Kunsttopographisches: Augsburger Post-Ztg.,
Beilage 1857 N. 176. (Beschreibung der Kirche.) — Dehio,
Handbuch 3, 498 fF. — Meidinger, Historische Beschreibung
1787. S. 376.
D) Literarische Tätigkeit: Lindner, Schriftsteller
O. S. B. in Bayern I. 193 ff. 314.
Personalstand im Jahre 1803: Neuburger
Collectan.-B!. 1882 S. 125. (Die weitere Literatur siehe bei
Lindner, 1. c. S. 193 und in Dehlers Gesch. von Thierhaupten.
A) Aebte von den ältesten Zeiten bis zur Zerstörung im X. Jahrhunderte.
Nr.
Aebte
Geburtsort
Beginn der Regierung
(resp. kommt vor, erwählt, confirmiert)
Ende der Regierung
(resp. resigniert, transferiert,
abgesetzt, gestorben)
1
Ulinus (Uttinus, Uttlinus)
907
f 2. Jan.2)
2
Wilhelm
908
f 24. Mai3)
3
Marquardus4) (alias Manegold
und Madegold)
909
B) Aebte seit der Restauration (e. 1022).
Nr.
Aebte
Geburtsort
Beginn der Regierung
(resp. kommt vor, erwählt, conürmiert)
Ende der Regierung
(resp. resigniert, transferiert,
abgesetzt, gestorben)
4
Haymo
910
f 27. Juni5)
5
Hymbrico
»11
f 16. Jan. 10366)
l) P. Cherle war der Erste, der ein deutsches Benediktiner Martyro-
logium bearbeitete. Der Titel dieses jetzt höchst seltenen Werkes lautet:
Martyrologiam ßenedictinum das ist Clösterlicfcer Kircben-Calender auff alle
Tage dess gantzen Jahres gestellt, in welchem gantz Kurtz angeregt werden
die Tugenden, Heiligkeit etc. etc. . . . etlicher auss denen Vornehmen
Heiligen beedes Geschlechtes, so enter der Regel dess hl. Ertz Vatters
Benedicti Gelebt und gestritten haben. Gezogen aus D. Arnoldo Wion u.
H. R. P. Gabriele Bucelino von P. Benedicto Cherle, O. S. Bened. d uralten
u. exempten Closters Thürhaupten, Professo, Notario publ. apost. p. t. Priore
et SS. Theologiae Professore. (Cum facult. Super.) Augspurg Verlag von
Daniel Wälder 1714, 7 Bl. 632 S. 4°. Dieses Werk leistete bei 60 Jahre gute
Dienste. Im Jahre i786 trat an dessen Stelle ein verbesserter Kirchen-
Kalender, von P. B. Stocker aus Hl.-Kreuz in Donauwörth. (Siehe dieses
Kloster S. 55) Im Jahre 1721 gab P. Lambert Grienmelt 0. S. B. zu Andechs
ein Buch heraus mit dem Titel: Heiliges Benediktiner Jahr, das ist
Leben der Heiligen und Seligen aus d. Orden des Hl. Ertz Vatters Benedicti
in die Monath und Täg des gantzen Jahrs abgetheilt. Augsburg (Joh.
Casp. Bencard) 9 Bl. 490 S. 4°. Man würde sehr irren, wenn man (nach dem
Titel zu schliessen) dieses Werk für ein Benediktiner Martyrologium halten
würde, wie das von Cherle. Grienmelt bringt für jeden Tag nur einen
Heiligen (resp. Seligen). Dann folgen einige Züge aus dessen Leben mit
moralischen Anwendungen. Grienmelt hat meist Heilige ausgewählt, die
man fast in keiner Heiiigen-Legende findet und ist in dieser Beziehung
eine Specialität. 2) Nec. Thierhaupten. 3) Detto. 4) Das Nec. v. Thierhaupten
enthält 2 Aebie von Thierhaupten namens Harquard, der eine f 4. April, der
andere f 9- Dec. 6j Nec. Thierhaupten. 6) Detto.
907-911
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