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Cistercienserinnen - Abt ien — Niederschönenfeld.
versteigert und erst nach langen Gegenvorstellungen 1804 dafür
252 fl. vergütet. Am 29. Dezember 1804 starb die letzte Äbtissin
Juliana von Wildenau, 83 Jahre alt; ihre Hinterlassenschaft betrug
kaum 403 fl. 1813 kam ein neuer Rentbeamter nach Niederschönenfeld
, der es noch arger trieb. Er nahm den Exnonnen den
Klosterhof, das Waschhaus und den Küchengarten; aber des-
ungeachtet teilten dieselben in den Hunger- und Teuerungsjahren
1816 und 1817 mit den Armen des Ortes redlich ihr Stücklein
Brot und spendeten allenthalben Hilfe und Trost. Im November
1830 kam ein kgl. Reskript, das den Nonnen befahl, in 14 Tagen
das Kloster zu räumen. Die Gefahr wurde aber durch den Bruder
der Chorfrau Adelheid Pichelmair glücklich abgewendet, der zur
Zeit Advokat in München war. Er erwirkte von König Ludwig,
dass die Nonnen bis zum Absterben im Kloster bleiben durften.
Im Dezember 1842 erlaubte König Ludwig die Restauration, indem
er die Aufnahme von Novizinnen gestattete; schon vorher hatte
er Adelheid Pichelmair als Oberin bestätigt. Aber aus Mangel
an Subsistenzmitteln kam die Restauration nicht zur Verwirklichung.
— Vermögen: 1803 waren vorhanden an Aktivkapitalien 57.943 fl,
Barschaft 1051 fl. Bis März 1804 hatte die Aufhebungskommission
veräussert an Gebäuden, Gütern, Realitäten für 83.330 fl. Vieles
war nur verpachtet. Davon bezog laut tabellarischen Ausweises
der Staat jährlich rund 50 000 fl. Im Jahre 1805 wurde auch die
sogenannte Schönenfelder-Au für 20.000 fl verkauft. Die Kirche
ist gross, dreischiffig und hat fünf Altäre. An derselben befindet
sich jetzt eine Pfarrkuratie. Die zwei grossen Glocken wurden
1805 von der Aufhebungskommission weggenommen und verkauft.
Die Klostergebäude wurden grossenteils 1640 neu aufgeführt und
zwar in drei Bauperioden : romanisch, gotisch und Renaissance.
Sie dienten als Zentralkloster für die Exnonnen von Niederschönenfeld
und andere. Jetzt sind sie Strafanstalt für männliche
Verbrecher. Ausser der Klosterkirche besteht noch die heilige
Kreuzkapelle (consecriert 1662), ein wundervoller Backsteinbau
im Renaissancestil.
Quellen: Geiss Er., Necrologium des Klosters Niederschönenfeld
(Oberbayrisches Archiv XXI. (1860) 167—193; Reicht
über das XVII. Jahrhundert selten zurück. — Mon. boica. XVI.
(1795) 251—532 mit Abbildung: a) Praef. und Series Abbatissar.
1763 (251—259); b) Diplomatarium. 223 Urkunden vom Jahre
1241 bis 1523 (260 526); c) Excerpta Geneologica (527—532.)
Literatur: Baader Jos, Geschichte des Frauenklosters
Nieder-Schönenfehl, Cisterc.-Ord. — Ein Beitrag zur Geschichte
des Donauthales und Lechraines (Archiv für Geschichte des Bistums
Augsburg, ed. von Steichele). - - Steichele, Bistum Augsburg
I. (1856) 173—460.J) Conferenz - Arbeiten der Augsburger
Dioecesan-Geistlichkeit enthalten. I. Bd. (1836) 177—189 (Con-
secration der Kreuzkapelle 1662 und Reihe der Aebtissinnen.) —
Hopp, Pfründenstatistik II. 186. - - Hundius, Metropolis, Ed. 1719
III. 224—230 mit Reihe der Aebtissinnen. — Idea chronogr.
Cisterc. S. 33—36 mit Personalstand vom Jahre 1720. — Das
,.Raiuer Wochenblatt" enthält: a) Merkwürdige Grabsteine im
Frauenkloster Niederschönenfeld, Jahrgang 1846. S. 82—83, 87,
91, 98 - 99, 102—103, 106—107. — b) Geschichte des Klosters,
Jahrg. 1844 S. 171, 175, 179, 183, 3 87, 191, 195, 199, 203,
209-210. — Sartori, Cisterc. bistert. 830-833. — Scheifele J. G.,
Statistik und Topographie des Gemeinde-Bezirkes Niederschönenfeld
in Oberbayern, L.-G Rain (Oberbayrisches Archiv XXI. (1860)
251—276) — Stengelius, Mantissa. 87 (Reihe der Aebtissinnen.
Wieder abgedruckt bei Kuen, Collectio II. S. 60). - - Zimmermann,
Churbayr. Geistlicher Calender 1754. S. 158-160.
Kunsttopographisches: Scheifele, Oberbayrisches
Archiv 21. Bd. Beschreibung der Kirche und des Klosters S. 260
bis 264. Kirchliche Altertümer und Grabmonumente S. 272—276.
— Abbildungen in M. boica XVI. und bei Wennig I. 173 Gross-Folio.
Personalstand anno 1803 bei Baader 1. c. S. 450.
Nr.
Meisterinnen u. Aebtissinnen
Geburtsort
Beginn der Regierung
(resp. kommt vor, erwählt, confirmiert)
Ende der Regierung
(resp. resigniert, transferiert,
abgesetzt, gestorben)
A) Meisterinnen (oder Priorinnen):
1
Chunigund Weckmann (Weckner) 253
urk. 1242
2
Irmengart (v. Meilenhart) 254
urk. 20. Oct. 1268
3
G . . . .2) (Gertrud ?) 255
B) Aebtissinnen:
4
Judith Truchaessin v. Graisbach
urk. 1274
f 5. März 12833)
5
Gertrud I. (Gräfin v. Lechsberg ?) ä57
c. 1283
f 15 Juli 13064)
6
Guta v. Strass 25s
c. 1306
reg. im Frühjahr 1324,
f nach 25. Juni 1324
J) Eine vortreffliche Arbeit und Muster einer KlostermonograpMe,
der für einen späteren Band in Aussicht gestellte Teil, welcher Urkunden
und Eegesten'jvon Niederschönen feld enthalten hätte,
erschien tatsächlich niemals. -) Nur der Anfangsbuchstabe ist ausgeführt
. 3) Baader. 4) Nec. v. Niederschönenfeld.
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