http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/lobstein1840/0009
1. Die Meiſterſänger.
Bekanntlich bildeten ſich unter dieſem Namen in Deutſch⸗
land zu Anfang des 14ten Jahrhunderts (nach dem Verfall
der deutſchen Dichtkunſt), welche vorher durch die Minne⸗
ſinger mit dem Ritterweſen ihre hoͤchſte, mittelalterliche
Ausbildung erreicht hatte, Sänger⸗Geſellſchaften, welche
mehrentheils ſelbſt dichteten, was ſie ſangen. Nach dem
handſchriftlichen Tabulatur⸗Bu ch, welches zu Straßburg
1597 zuſammen getragen worden, ſollen die Meiſterſaͤnger
ſchon im Jahr 962 ihren Anfang genommen haben!¹. Den
Gegenſtand ihrer Gedichte wählten ſie vorzugsweiſe aus der
Bibel, nachdem ſie in deutſcher Sprache erſchienen war.
Der Titel dieſes Buchs iſt folgender: „Tabulatur⸗Buch, oder
Ordnung und Gemeß in der löblichen Kunſt des Meiſtergeſangs, wie man
ein jedes vicium und Laſter erkennen und verhüten, auch andere in der
Geſellſchaft fürfallende Mängel ſtraffen und abſchaffen ſoll u. ſ. w.,
nebſt Regiſter, deren Namen über die Thöne (Melodien) ſo die
deutſchen Meiſter im römiſchen Reich hin und wieder gedichtet und com⸗
ponirt haben, wie deren Namen hiernach folgen, auch wie viel jeder
Thon Reimen hat, von Anno 962 angefangen und bis an's
End der Welt unaufhörlich continuirt werden ſoll; durch Martin
Gimpel, Kürſchner, und Georg Burckhart, Schneider, beide Burger
zu Straßburg, auch ſelbſt Meiſter und Dichter, mit Fleiß und ſo viel
ihnen bewußt, zuſammengetragen, 1597.“
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