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2) In obigem Legat von 10 Thalern jaͤhrlicher Zinſe,
welche das Stift zu St. Marx von dem Gabr. Braunſtein'ſchen
Legat an die Saͤnger⸗Geſellſchaft abzugeben hatte.
3) In einem Capital von 1000 Gulden, welches der Geſell⸗
ſchaft Anno 1636 als Legat vermacht worden, und welches
bei der Stadt⸗Caſſe zu 40 Gulden jaͤhrlich verzinslich ange⸗
legt war.
Außer ihren Singuͤbungen ſpielten die Meiſterſaͤnger in
Straßburg auch eine Zeit lang Comödien, Tragoͤdien und
hielten chriſtliche Geſpräche. Seit dem Jahr 1602 hielten ſie
jedesmal bei dem Magiſtrat um die Erlaubniß an, Comoͤdien
von Gluͤck und Ungluͤck ſpielen zu duͤrfen. Es wurde
ihnen erlaubt, unter der Bedingung nicht Sonntags und
zwar in ihrem eigenen Lokal zu ſpielen. Die chriſtlichen Ge⸗
ſpraͤche gaben oft Anlaß zu Streitigkei en, auch ſahe ſie die
Geiſtlichkeit mit Unwillen, ſo daß ſie der Magiſtrat verbot.
Dagegen machte die Geſellſchaft der Meiſterſaͤnger unterm
9. Mai 1633 eine Vorſtellung, in welcher ſie ſich unter an⸗
dern folgendermaßen ausdruͤckt: „es werden nicht alle Jahr
ſolche Geſpraͤche neben der Singſchulen gehalten, ſondern
nur, wann wichtige Sachen geſchehen, ſie moͤgen nun Ramen
haben wie ſie wollen; wie denn auch dieß unſer naͤchſt ab⸗
geloſfen Geſpraͤch vom Tod Judas Maccabaͤus geweſen, ein
Fürbitt des theuern Koͤnigs in Schweden ſeelig. Solche
chriſtliche Uebung iſt nicht allein hier zu Straßburg gebraͤuch⸗
lich auf die Sonntag, ſondern in andern namhaften evange⸗
liſchen Staͤtten mehr. Nuͤrnberg, da den Meiſterſaͤngern eine
Kirche zu ſolchem Werk geben iſt, genannt zu St. Clara⸗,
Augspurg ſingt und ſpielt am Sonntag das ganze Jahr,
außerhalb den Hundstagen; Ulm, Preßlau, Dantzig und
andre Seeſtätten mehr. Wann nun dieſe Kunſt nicht aus
Gottes Wort wäre fundirt, Dr. Luther ſeeligen Gedaͤchtnuß,
wird ſie nicht negſt dem Predigtamt, vor andern Künſten ge⸗
riemt haben u. ſ. w.“
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