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Ein Baß (recit.).
Nous finirons son esclavasge
Ce grand jour en est le présage!
Dann folgt zum Schluß, mit einer brillanten Coda, der
erſte Chor: Nous t'offrons, etc., unter der Orcheſter⸗Beglei⸗
tung des a ira.
Der Enthuſit asmus, welchen die erſte Auffuͤhrung dieſer
koloſſalen Compoſition hervorbrachte, iſt unbeſchreiblich; ſie
hatte ſogleich Pleyel's Befreiung von aller Bewachung zur
Folge, denn nur ein Patriot konnte im Sinne der damaligen
Zeit ein ſolches Tongemaͤlde hervorbringen.
Rachdem Pleyel 1793 Straßburg verlaſſen hatte, um ſich
nach London zu begeben, wurde die Kapellmeiſter⸗Stelle im
Muͤnſter nicht eher beſetzt, als nach Wiedereinführung des
Gottesdienſtes. Am 8. Auguſt 1800 hatte in dieſer Kirche
die letzte Dekaden-⸗Feier und bürgerliche Copulation Statt,
wobei das Orcheſter bloße Inſtrumental⸗Muſik, Symphonien
und patriotiſche Volkslieder ſpielte, ohne Anfuͤhrer.
1800. — Wolff (Ludwig Joſ.) folgte Pleyel als Kapell⸗
meiſter. Er war fruͤher Lehrer der Chor⸗Knaben, ſonſt ein
tuͤchtiger Muſiker, beſonders Contrebaſſiſt ehedeſſen in Wien
angeſtellt.
1808. — Spindl. er (Stanislaus Franz Faver), geboren
zu Steingaden in Baiern, wo ſein Vater, Anton Spindler,
Wundarzt war.“ Durch ſeine Thaͤtigkeit und die zahlreichen
eigens fuͤr das ihm zu Gebot ſtehende Sing⸗-Perſonal ge⸗
ſchriebenen Compoſitionen fuͤr die Kirche, brachte er die Muſik
im Muͤnſter auf einen hohen Grad von Vollkommenheit. Er
¹ Seine kurze Biographie iſt in der „Leipziger allgemeinen Muſ.
Zeitung“, Jahrgang 1819, B. XXI, S. 698, zu finden. Die in dem
Univerſal⸗Lexikon der Tonkunſt über ſeinen Geburtsort und eigentlichen
Namen enthaltenen Notizen ſind unrichtig.
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