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ſtarb am 8. September 1819 und hinterließ einen einzigen
Sohn, den bekannten und geachteten deutſchen Schriftſteller,
Karl Spindler.
1819. — Wackenthaler (Joſeph), geboren zu Schlett⸗
ſtadt im Elſaß, am 20. November 1795, ein tüchtiger Cla⸗
vier⸗ und Orgelſpieler, Spindlers Schüler fuͤr Compoſition,
hat außer ſeinen Clavier-Werken Vieles fuͤr die Kirche ganz
in dem, dieſer Gattung eigenthuͤmlichen Style geſchrieben,
namentlich 12 Meſſen, wovon 2 für volles Orcheſter, 2 mit
Harmonie⸗Begleitung, 4 mit obligater Orgel, 2 vierſtimmige
mit Begleitung von 3 Poſaunen, eine ſechsſtimmige und
eine zweichörige, ferner ein Te deum und mehrere Motetten
mit vollem Orcheſter, Harmonie⸗Stücke und eine ziemliche
Anzahl kleinerer Motetten fuͤr vier Männer⸗Stimmen, ohne
Begleitung. Seit 1833 iſt die Kapellmeiſter. Stelle mit jener
des Organiſten vereinigt, ſo daß bei muſikaliſchen Auffüh⸗
rungen Herr Wackenthaler ſich erſetzen laſſen muß, was durch
ſeine Frau, eine geborene Schmitt, eine brave Clavier⸗ und
jetzt zum Erſtaunen geuͤbte Orgelſpielerin, geſchieht.
Da der Gehalt des Organiſten und des Kapellmeiſters,
zuſammen 2400 Fr. betrug, ſo iſt durch die Vereinigung der
beiden Stellen eine Erſparniß von 750 Fr., durch den jetzigen
Gehalt von 1650 Fr. erzielt worden. Nur an hohen Kirchen⸗
Feiertagen werden muſikaliſche Meſſen aufgefuͤhrt; das Singchor
beſteht dann aus Dilettanten und Dilettantinnen, aus Chor⸗
Knaben und den Zoͤglingen der Seminarien; die Beſetzung
des Orcheſters iſt dem Kapellmeiſter uͤberlaſſen. Bis zur Re—
volution von 1789 hatte das Münſter ſeine beſondere Kapelle,
beſtehend aus 24 Muſikern, worunter 4 tüchtige Trompeter
und ein Pauker für die Intraden; ferner beſoldete die Kirche
3 Solo⸗Sänger, einen Altiſten, Tenoriſten und Baßiſten.
3) Das Glockenſpiel im Münſter.
Wir koͤnnen die muſikaliſche Topographie des Munſters
nicht ſchließen, ohne von dem ehmals in dem beruͤhmten
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