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Stift, worin regelmäßig 22 bis 24 junge Theologen unent⸗
geldlich Koſt und Logis genoſſen und freien Zutritt in die
Collegien der Univerſität hatten. Die Auf fſicht uͤber ihre Stu⸗
dien war einem Pädagogen, einem Vice⸗Pädagogen und in
muſikaliſcher Hinſicht der Leitung eines Choragen anvertraut.
Bis in das Jahr 1792 wurden die muſikaliſchen Uebungen
der in Tenoriſten und Baſſiſten eingetheilten Studirenden
fortgeſetzt. Der Choral⸗Geſang mit Orgelbegleitung“ wurde
hauptſächlich geuͤbt; auf Verlangen wohlhabender Familien,
begleiteten die alumni in geiſtlichem Ornate die Leichen in
Trauerwägen, und ſangen in der Kirche, ſowohl als an
dem Grabe, Trauer⸗Cantaten; ferner wurde regelmäßig
Vokal⸗Muſik fuͤr die Kirchen und beſonders Oratorien ein⸗
ſtudirt, um alljaͤhrlich am Charfreitag, unter Mitwirkung
der Schuͤler des Gymnaſiums, welche die Soprane und Al⸗
tiſten lieferten, in dem ſogenannten Auditorium der Univerſitaͤt
aufgefuͤhrt zu werden. Aus dem Ertrag dieſer Charfreitag⸗
Conzerte wurden die Koſten beſtritten, neue Oratorien und
andere claſñſche Muſikalien angeſchafft „die dann jährlich zur
Aufführung kamen. Daraus iſt eine eben ſo reiche als merk⸗
wuͤrdige Sammlung claſſiſcher Werke entſtanden, daß wir uns
nicht enthalten können, dabei zu verweilen, obgleich eine be⸗
deutende Anzahl vorzügliche er Werke abhanden gekommen.
Außer vielen Choͤren, Scenen und Arien aus der aͤltern
Zeit, ohne Namen der Componiſten, Leichenſtücken von Gluck,
Schoͤnfeld, u. a., ſind folgende größere Werke bemerkens⸗
werth.
L Beeth oven (Ludwig v. ), geboren 1770, geſtorben 1827. cbri⸗
ſtus a m Oelberg, Orat.
Die in dem Stift noch befindliche Cabinett⸗Orgel wurde von Andr.
Silbermann, gegen das Jahr 1712 gemacht. Eine kleinere 1737
verfertigte kam 1793 in das Auditorium. (S. die Notiz über die Fa⸗
milie Silbermann. V Abtheilung.)
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