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Dekrets, wurde die alte Univerſität zu Straßburg in eine
proteſtantiſche Akademie umgewandelt. Dieſe ſteht
unter dem Direktorium eines Gene ral⸗Conſiſtoriums, deſſen
Präſident Direktor der Akademie iſt. Das Studien⸗-Stift
oder das ſogenannte Wilhelmitaner⸗Kloſter ſteht ſeitdem fort⸗
während, wie vormals unter der Univerſität, jetzt unter der
Akademie. Die große Anzahl Studirender hat die Eröffnung
einer zweiten ähnlichen Anſtalt fuͤr zwölf Zöglinge in dem
St. Thomas⸗Stift noͤthig gemacht.
Die, in muſikaliſcher Hinſicht ſeit 1793 erloſchene Anſtalt
wurde in den Jahren 1809 und 1810 durch die raſtloſe Thä⸗
tigkeit und den Kunſtſinn des damaligen Pädagogen Goͤpp
(Verfaſſer geiſtlicher Lieder, welcher 1835 als Pfarrer der
proteſtantiſchen Gemeinde zu Paris geſtorben iſt) mehrere
Jahre hindurch wieder emporgebracht, auch die Charfreitag⸗
Concerte wieder eingefuͤhrt; allein ſeit ſeinem Abgange erfreute
ſich die Anſtalt dieſer T Theilnahme nicht mehr.
Zum Bedauern aller Kunſtfreunde, iſt unter der jetzigen
Verwaltung das obligatoriſche Studium der Vokal⸗Muſik in
dieſer theologiſchen, an elaſſiſchen Werken immer noch reich
ausgeſtatteten Anſtalt, nicht wieder hergeſtellt worden. Wohl
wird auf Koſten der Hohen⸗Schule den Studirenden noch
Sing⸗Unterricht ertheilt; allein da die Erlernung der Vokal⸗
Muſik nicht mehr, wie ehedem, obligatoriſch iſt, ſo nehmen
nur wenige Theil daran, daher die Verwendung dieſer we⸗
nigen fuͤr die Kirchen oder für das jaͤhrliche geiſtliche Coneert
unzulänglich wäre. (S uͤber dieſe Anſtalt uͤberhaupt: Bericht
uͤber das Stift St. Wilhelm, von D⸗ Dahler. Straßburg
1829.
C. St. Tomas⸗ Kirche.
(Proteſtantiſch. )
Die Thomas⸗— Kirche wurde urſprünglich gegen das Jahr
634, erbaut; durch Brand im Jahr 1007 zerſtoͤrt, wurde
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