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giſtern, wovon 15 im Manual und 6 im Pedal; ſie hat 2
Manual⸗Claviere, wovon das Poſitiv, welches Platz für 8
Regiſter enthaͤlt, nicht eingerichtet iſt, und ein Pedal⸗Clavier,
1039 Pfeiffen und drei Blasbaͤlge. Bis zur Vollendung dieſer
ſchoͤnen Orgel, bediente man ſich, nach der Wiedereroͤ⸗ fnung
der Kirche, eines organiſirten Flügels.
Die Organiſten, welche ſich ſeit dieſer Zeit ſuecedirten,
ſind die Herrn Huber, Muͤller, Heſſe, Mockers, Schwach,
und Phil. Offner, jetziger Organiſt.
Muſikaliſche Meſſen werden in dieſer Kirche nicht aufgeführt.
M. Reformirte Kirche.
Als ſich der beruͤhmte Reformator Joh. Calvin, im Jahr
1539 nach Straßburg gefluͤchtet hatte, wo er am 29. Juli
deſſelben Jahrs das Bürgerrecht erkaufte, bekam er die Er⸗
laubniß eine franzoͤſiſche Kirche in dem Chor der Prediger⸗
Kirche zu errichten, welche durch die Menge aus Frankreich
gefluͤchteter Glaubensgenoſſen ſehr bedeutend war, und bis
1577 fortbeſtand. Die eigentliche deutſche reformirte Ge⸗
meinde aber hielt ſeit 1553 ihren Gottesdienſt in der St. An⸗
dreßen⸗Kirche, deren Stelle ſpaͤter die Franziskaner⸗Kirche
(das heutige Militaͤr⸗NMagazin) einnahm; 1563 wurde ſie ge⸗
ſchloſſen. Nach mancherlei ausgeſtandenen Drangſalen ver⸗
legten die Reformirten ihren Gottesdienſt 1655 in das nahe
gelegene Heſſen⸗- darmſtaͤdtiſche Dorf Wolfisheim, wo er
1¹²³3 Jahre lang gefeiert wurde. Erſt in den Jahren 1788
und 1789 wurde zu Straßt burg eine Kirche für die re⸗
mirte Gemeinden, erbaut. Die koͤnigliche Conceſſion vom
14. Auguſt 1788, fuͤgt der Einwilligung des Magiſtrats,
vom 26. April deſſelben Jahrs, die Bedingung bei, daß
das Aeußere der Kirche einem bloßen Privathaus und nicht
einem Tempel oder einem oͤffentlichen Gebaͤude gleiche, fer⸗
ner, daß ihr keine Glocken geſtattet ſeyen. Im September
erſchien (bei Leroup) ein beſonderes Reglement, die Ausuͤbung
dieſes Gottesdienſtes betreffend.
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