http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/lobstein1840/0109
99
Die darin befindliche, ſehr alte Orgel, deren Verfertiger
unbekannt iſt, ſoll aus der ehemaligen großen Capuziner⸗Kirche/
die 1789 abgebrochen wurde, dahin gebraceht worden ſeyn.
Sie hat 8 Regiſter, ein Manual mit einem bloßen Anhaͤng⸗
Pedal, 222 Pfeiffen und 2 Blasbaͤlge. Man iſt in dem gegen⸗
waͤrtigen Augenblick (1840) beſchaͤftigt, ſie durch eine neue
von dem Orgelbauer Wetzel erſetzen zu laſſen.
Die Organiſten, zugleich Schullehrer, welche ſich ſeit
einer Reihe von Jahren in dieſer Kirche ſuceedirten, ſind
die Herrn Armbruſter, Braun, Meyer und Walter, aus
Weſthaußen.
Muſikaliſche Meſſen werden in dieſer Kirche nicht aufge-
ſchrr. L
Algemeine Betrachtungen uͤber den ietzigen zuſtand
der Kirchenmuſik.
Aus der geſchichtlichen Darſtellung deſſen was in vorigen
Zeiten fuͤr die Kirchen⸗Muſik gethan wurde, geht hervor,
daß ſich katholiſcher Seits die regelmaͤßigen Auffuͤhrungen
blos auf die Kathedral⸗Kirche beſchränkten, daß die Muſik
theils aus den Kirchen⸗Gefaͤllen, theils von der Stadt unter⸗
halten wurde; ferner, daß proteſtantiſcher Seits, die Schulen,
das Gymnaſium, die in den Studien⸗Stiftern aufgenommenen
Studierenden und Candidaten der Theologie dabei mitzuwirken
verpflichtet waren, daß der größte Theil der Koſten durch
die auf mehrfache Weiſe eingeſammelten Beitraͤge der Ge—
meinden beſtritten wurden; daß endlich alle regelmaͤßigen Auf⸗
führnungen aufgehoͤrt haben. Die letztern Befoͤrderungsmittel
waͤren noch heut zu Tag eben ſo anwendbar, wie ehedem. Es
läßt ſich wohl nicht läugnen, daß durch das Fortſchreiten der
Kunſt die heutigen muſikaliſchen Auffuͤhrungen koſtſpieliger
ſind; betrachtet man aber, daß der Dilettantismus ſich in
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/lobstein1840/0109