http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/lobstein1840/0152
142
VIII. Muſi kaliſche Inſtrumente auf der
Stadt-Bibliothek.
(Siehe die Abbildung am Schluß.)
So wie in der vergangenen Zeit die Kirchen zum Gebrauch
der Muſiker ihre eigenen Juſtrumenten beſaßen und unter⸗
hielten, eben ſo beſaß die Stadt Straßburg die ihrigen, zum
Gebrauch bei feſtlichen Gelegenheiten und den ſtaͤdtiſchen Con⸗
zerten. Man findet ſchon in einem Raths⸗Protokoll (der
HHrn. XXI.) vom 28ten Oktober 1616, daß nachdem referirt
worden „was für Pfeiffen und Muſika⸗Inſtrumenten auf
dem Pfenningthurm (das ehemalige Stadt Schaffenei⸗Ge⸗
bäude) ſind, und die Stück aufs Papier gebracht und ab—
geleſen welche ſchlecht und mangelhaft ſind — ſo iſt Raths⸗
herr Martins zu den Inſtrumenten geordnet worden.“
Dieſe In trumenten deren Anzahl wohl bedeutender ge⸗
weſen ſeyn mag als die noch uͤbrigen, ſind vermuthlich im
Jahr 1745 als der Pfenningthurm um 87 Schuh abgenommen
und die heutige Geſtalt erhielt, auf die Stadt⸗Bibliothek,
gleich andern Gegenſtaͤnden, gebracht worden, da ſchon zu
jener Zeit dieſe Inſtrumenten außer Gebrauch waren.
1) Die deutſche Spitz- oder Drathharfe, harpanetta,
Fig. 1. (Vorder⸗ und Rückſeite) bildet den Uebergang von
der alten zu den neuen Harfenarten. Die vorliegende hat
1 Meter 20 Centimeters 3 Millimeters in der Hoͤhe und
45 Centimeters in der Breite; ſie hat zu beiden Seiten
beſondere Reſonanz⸗ Böden in einer Entfernung von 3 Centi⸗
meters einer von dem andern, und iſt daher doppelt beſaitet.
Die tiefſten Baß⸗Saiten wovon ſich noch einige vorfinden,
ſind von Meſſing, die üͤbrigen deren nur noch wenige vor⸗
handen ſind, von Stahl. Auf der Vorderſeite A befinden
ſich 4 Oktaven, weniger einem Ton, nemlich 3 Oktaven vom
tiefen (ut) bis h (, dann nach der 3ten Oktave von c bis a (la),
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/lobstein1840/0152