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Reisen zu gedenken, welche seinen Studien und Forschungen, und seiner
höhern Bildung überhaupt, insbesondere zu Statten gekommen sind. Der be-
schränkte literarische Vorrath seines Wohnsitzes konnte ihm nicht genügen;
er fühlte alsbald das Bedürfniss, auswärtige Bibliotheken zu besuchen. Ich
will hier seine öftern Wanderungen zu den literarischen Schätzen in den
Städten der Nachbarschaft nicht berühren, nur seine grössern Reisen will
ich in Erwähnung bringen. Die erste derselben unternahm er in den Herbst
ferien 1799 über Augsburg und München nach Wien, wo er sich haupt-
sächlich mit den biblischen Handschriften der kaiserlichen Bibliothek beschäftigte;
drei Jahre später, in den Herbstferien 1802, begab“er sich nach Paris, um
auch in der reichen Bibliothek der Hauptstadt Frankreichs seine Erndte zu
halten; es war wieder vor Allem der Schatz der Manuscripte, worauf sich
sein Augenmerk richtete. Die Früchte von diesen beiden Reisen, seine
kritischen Beobachtungen und Sammlungen, setzten ihn in den Stand, sein
Werk der Einleitung in das neue Testament auszuführen, womit er sich sofort
mehrere Jahre mit ununterbrochener Thätigkeit befasste. Aber seine ſortge-
setzten Anstrengungen störten seine Gesundheit, und er fühlte sie seit dem
Ende des Sommers 1809 so sehr geschwächt, dass er sich genöthigt fand,
auf den nächsten Winter um einen Diensturlaub einzukommen, der ihm bereit-
willig gewährt wurde. Vor sieben Jahren hatte er Paris mit dem Vorsatze
verlassen, sobald es scine Verhältnisse gestatteten, den Besuch zu erneuern;
er entschloss sich jetzt, seinen Urlaub dazu zu verwenden und einen längern
Aufenthalt in Paris zu machen, um den doppelten Zweck zu erreichen: sich
leiblich zu erholen und die dortigen Schätze der Wissenschaft und Kunst
mit Musse zu nützen. Er trat seine Reise im November jenes Jahres an und
verweilte in Paris bis Ende März 1810. Während dieses Aufenthaltes machte
Hoe die nähere Bekanntschaft des gleichzeitig anwesenden berühmten Wiener
Orientalisten Freiherrn von HAMMER -PUReESTALL, mit welchem er bis zum
Ende seines Lebens in freundschaftlicher und gelehrter Verbindung geblieben
ist. Seine Hauptbeschäftigung war damals die Untersuchung eines für die
neutestamentliche Textkritik höchst wichtigen handschriftlichen Documents,
wovon er eine gelehrte Beschreibung gelieſert hat, — des jetzt wieder in
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