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seiner fast wunderbaren Sprachenkunde ihn zur Cardinalswürde nach Rom
rief, wo sie dem grossen Weltverkehre des katholischen Primates und dem
edlen Zwecke der christlichen Mission zu dienen die Bestimmung erhielt. Ich
hatte vor mehreren Jahren die Freude, aus dem Munde dieses weltberühmten
und doch so bescheidenen, anspruchlosen hohen Gelehrten zu vernehmen, wie
sich auch bei ihm das Andenken an den Verewigten erhalten. In Florenz
brachte er für jetzt nur einige Tage zu, und widmete sie einem übersicht-
lichen Besuche seiner kostbaren Bibliotheken, der Laurenziana (wo vor etwa
hundert Jahren der grosse Orientalist AsszMANNI seinen Sitz hatte), der Maglia-
becchiana, der Marucelliana, und der herrlichen Kunstgallerien in dem
Palazzo degli Uffici und Pitti. Die Gesundheitsumstände trieben ihn dem tiefern
Süden zu, aber er schied mit dem Vorsatze, in diesem reichen Magazin von
Schätzen der Wissenschaft und Kunst auf seiner Rückkehr länger zu ver-
weilen. Es wurde also die Reise weiter fortgesetzt, über Siena und Viterbo
nach Rom, von da ohne Zögerung nach Neapel, wo er das lange verlorne
Gut der Gesundheit am ehesten wieder zu finden hoffte; und er war s0
glücklich, sie in Bälde wieder zu erlangen! nach Kurzem fühlte er sich ge-
nesen und neu gestärkt. Jetzt genoss er die volle und ungestörte Lust,
seine geistigen Interessen zu befriedigen, wozu er vornehmlich seine Schritte
mit unermüdlichem Eifer dem Palazzo degli Studi zuwandte, dessen Museum
bekanntlich neben dem vaticanischen in Rom in antiquarischer Hinsicht das
interessanteste der Welt ist. Es versteht sich von selbst, dass er auch ein
fleissiger Besucher der in demselben Palaste befindlichen Farnesischen Biblio-
thek war, wo der deutsche Wanderer unter dem sparsamen Vorrathe seiner
vaterländischen Literatur mit Vergnügen das Einleitungswerk des Verewigten
erblickt. Er machte wiederholte Ausflüge nach Pompeji und Herculanum,
besuchte das mit Alterthümern ganz übersäte Ufer des anmuthigen Golfs von
Bajä, und in südlicher Richtung das einsame, mit majestätischen Ueberresten
griechischer Tempel ausgezeichnete Paestum.
Er blieb in Neapel bis zum März 1819, und zog sich sofort nach Rom
zurück. Es war jetzt sein Urlaub dem Ende nahe, aber er konnte sich mit
dem Gedanken, diese Weltstadt mit ihren unvergleichlichen Schätzen nur im
Fluge zu sehen, um so weniger befreunden, je mehr ihn mit dem Zunehmen
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