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Grenzen hinausgedrungen, und die ungetheilte Anerkennung, die er auch im
Auslande bei allen Männern von wissenschaftlichem Urtheile fand, hatte eine
Reihe von Berufungen zur Folge, an welche sich andere Auszeichnungen
anschliessen. Aber während das vielseitige Bemühen, ihn für das Ausland
zu gewinnen, eben seine seltene Anerkennung laut beurkundet, so lernen wir
dabei zugleich einen höchst edlen Zug seines Charakters kennen, den er bis
zu seinem letzten Athmenzuge unveränderlich bewahrt hat, — ich meine
seine ausnehmende Liebe und Anhänglichkeit an unsere Hochschule und an
das Vaterland, wovon ihn keinerlei Vortheile trennen konnten.
Die erste Vocation erging an ihn im J. 1805 zu einer Stelle im Collegium
des katholischen Kirchenrathes zu Stuttgart. Hierbei war freilich auch der
Geschäftskreis dieses Amtes für ihn ein starkes Motiv, die Berufung abzu-
lehnen, denn er hätte es damals nicht leicht über sich vermocht, seine wissen-
schaftliche Laufbahn mit einem praktischen Berufe zu vertauschen. Aber sechs
Jahre später, im J. 1811, erhielt er eine Einladung an die neu organisirte
Universität Breslau, die ihm nicht allein eine wesentliche Verbesserung seiner
ökonomischen Verhältnisse, sondern auch eine Erweiterung seiner wissen-
schafthchen Wirksamkeit in Aussicht stellte. Hoe6 bezog damals hier noch
eine Besoldung von nicht mehr als 800 fl., denn seinem ursprünglichen Ge-
halte von 500 fl. waren im J. 1795 nur 100 und im J. 1807 weitere 200 fl.
zugelegt worden, wogegen ihm das Einladungsschreiben der von dem Königl.
Preuss. Ministerium dazu beauftragten Organisations-Commission der Universität
Breslau)) einen Gehalt von 1000 Thl. mit der Aeusserung anbot, dass man
seinen weitern Wünschen durch Ertheilung einer Präbende oder auf eine andere
Weise zu genügen bereit sein werde. Wie ernstlich man seine Acquisition
wünschte, geht aus einer spätern Zuschrift?) des Regierungsraths BaEDow,
Mitglied der-akademischen Organisations-Commission zu Breslau, hervor, denn
in dieser wurde ihm das Maximum eines dortigen Professors mit 1500 Thl.
zugesichert. Aber bschon Banpow noch die ermunternde Mitwirkung seines
Freundes BörrIcrR, Hofrath und Studiendirector in Dresden, zu Hülfe zog ²³),
1) Vom 19. August 1811.
2) Vom 11. November 1811.
3) Böttiger's Schreiben an Hug vom 2. Dezember 1811.
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