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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1950-10/0010
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Die Markgrafschaft

nit —, Schultheiß vu Neuberg worde. Lieber wär
er aber Schultheiß vu Augge gsi, denn erschtens
wachst z'Augge e bessere Wii wie z'Neuberg an
der Riesi, un zweitens het me nit so wit heim,
wemme no-nem Herbscht z'Augge einer glade
het.

Braunwart het sich mit de Neuberger viel
Müeh geh. Wahrschienlich hindeumme, mit Hilfe
vu sim Auggener Lette het er de Neuberger
's Schtadtrecht verschafft, aber no ne richtig
Schtadtrecht, nit wie eis vu ne 1950! D' Auggener
hän ebe sellimols de Neuberger d'Agger no nit

gschtohle gha, wie mer chürzlich e Neuberger
bim Wii versicheret het. Aber wege dere Sach
chönne mer jetz rueig schlofe: d'Neuberger hen
jetz mit ihre Reben-Neuanlage im Auggener Herberg
der angeblich Diebschtahl vu selligsmol wieder
usgliche. Wer weiß aber wie's chu wär, wenn
der Braunwart vum Vadder vu seilere Dochter
nit so abrüelt worde wär. Viellicht hätte mir
Auggener hüt 's Schtadtrecht un Neuberg wär
numme e „ehemals markgräflich badischer Marktflecken
". Aber was nit isch, cha no werde, jetz
wu's numme so Schtadtrecht regnet. E. B.

Neuenburg, wie es nur wenige kennen

Aus der Chronik der ehemals freien Reichsstadt am Rhein

4. Fortsetzung.

In diese Zeit hinein fiel auch die fortschreitende
Technisierung, die fortan immer mehr das örtliche
Bild belebte. Erregten anfangs der neunziger
Jahre die aus dem Elsaß herübergekommenen
ersten Radfahrer mit ihren Hochrädern
gewaltiges Aufsehen, so galt bald darauf die
erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung nicht
minder den ersten Dampf- oder Petroleum-
Kutschen, die, ebenfalls aus dem Elsaß kommend,
eine neue, noch größere Sensation für das Rheinstädtchen
bildeten.

In der Zwischenzeit war das Problem der
Rheinspiegelsenkung nicht kleiner, wohl aber
größer geworden. Es kam jetzt vor, daß selbst
bei hohem Wasserstand kein Wasser mehr durch
die Öffnung der Uferbauköpfe floß. Immer dürftiger
wurden die Holzschläge und das Futter- und
Strohholen hörte allmählich ganz auf. Mit dem
Rückgang des Wassers trat naturgemäß auch eine
spürbare Verminderung des Fischbestandes ein.
So kam es, daß die Fischerzunft, früher ein Begriff
, jetzt immer kleiner und bedeutungsloser
wurde. Drunten in den Niederungen aber mischte
sich in das allmähliche Sterben der hohen Rheinpappeln
die leise Traurigkeit über die vergangene
Schönheit des Rheinwaldes. Was war aus ihm
geworden? Aus dem einst blühenden und
grünenden Rheinniederungsgelände war eine mit
Gestrüpp bewachsene Fläche geworden, die sich
wie die zerzauste Perücke eines Gelehrten ausnahm
. Aber das war noch nicht alles. Mit der
natürlichen Tieferlegung des Rheins trat auch
eine gleichzeitige Gefährdung der Wasserversorgung
für die Stadt ein. Obwohl die Pumpbrunnen
eine große Tiefe aufwiesen, lieferten sie doch
nicht genügend Wasser, so daß sie wiederholt
unterfangen werden mußten; eine ebenso schwierige
, wie gefährliche Arbeit. Schließlich mußte
sich die Stadtverwaltung im Jahre 1900 zum Bau
einer Wasserleitung entschließen. Dieses Jahr
war für das lokale Geschehen in der Stadt noch
insofern bedeutungsvoll, als am Rhein und Altrhein
zum ersten Male Schwimmübungen mit
Pferden ausgeführt wurden. Diese Übungen, die
drei volle Wochen dauerten, hatten eine große
Menge Schaulustiger angelockt. Fünf Jahre später
wurde eine zweite, verstärkte Eisenbahnbrücke

gebaut. Im Jahre 1907 gab die Gemeinde ein
Gelände in den Niederungen in Größe von 30 ha
an die Garnison in Müllheim ab, die das Gelände
als Exerzierplatz benötigte. Auf diesem Platz
wurden in den folgenden Jahren auch die Badenweiler
- Pferderennen abgehalten. Im Jahre 1908
wurde mit der Schiffahrt rheinaufwärts begonnen
, und die Neuenburger sahen dabei erstmals
einen Rheindampfer fahren. Das Jahr 1910
brachte, als ein außerordentlich nasses Jahr, ein
starkes Hochwasser, das sogar die Schiffsbrücke
wegriß, die samt der darauf befindlichen Brük-
kenbelegschaft bis Breisach stromabwärts trieb.
Der immer stärker werdende Fremdenverkehr
brachte eine sichtliche Belebung der Geschäftswelt
mit sich. Die Einwohner, als lustiges Volk
bekannt, trugen durch Veranstaltungen und Festlichkeiten
das ihre dazu bei, daß die Gäste in den
Mauern der Stadt sich wohl fühlten und den Ruf
der Gastfreundschaft unter die Leute brachten.
In bunter Folge wechselten Sänger-, Musik- und
Schwimmfeste sowie Gondelfahrten mit anderen
Lustbarkeiten. Als vom damaligen Schützenverein
mit viel Geschick und unter großen persönlichen
Opfern im Jahre 1912 zum ersten Male
eine „Fasnet" mit Rosenmontag und großem
Karnevalsumzug gestartet wurde, stand ganz
Neuenburg und Umgebung Kopf; umsomehr, als
die „Neuenburger Fasnet" eine alte Tradition
hatte und in die frühesten Jahre zurückging.
Eine weitere Sensation für Neuenburg und die
umliegenden Gemeinden war die Landung von
Flugmaschinen auf dem Exerzierplatz. Von weither
kamen die Zuschauer, um bei diesem Ereignis
dabei zu sein. So hatte es sich mit der Zeit von
selbst herumgesprochen, daß in Neuenburg
immer etwas „los" war, und die Wirte
manchmal kaum aus und ein mit den vielen
Gästen wußten. Besonders stark war der Andrang
der Besucher in der Spargelzeit, wo man sich im
„Hirschen" und im „Schlüssel" zum traditionellen
Spargelessen einfand. Vierspännige Breaks aus
Mülhausen waren keine Seltenheit und was ein
echter Hochzeiter war, der ließ in Neuenburg die
Rößlein verschnaufen, bis Zeit zur Heimkehr
war. Mit seinen 1200 Einwohnern bot Neuenburg
das Bild einer emsigen, pulsierenden Stadt, die


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