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Die Markgraf Schaft
Der hailig Oobe / Von Alois Hugenschmidt
(Fragment.)
Am Allerseelen tag des Jahres 1902 wurde der spätere
Dichter und alemannische Sprachforscher Friedrich
Alois Hugen schmidt zu Lörrach-Stetten geboren.
Er war von den sieben Söhnen des Blechnermeisters
Ernst Hugenschmidt und dessen Ehefrau Luise geborene
Keller der Siebente. Umgeben von der Schar seiner,
älteren Brüder wuchs er in dem Heimahause in der
Hauptstraße 17 als Kind heran und besuchte von 1909
bis 1916 die Volksschule in Lörrach-Stetten.
Mit 14 Jahren kam er nach Freiburg i. Br. als Schüler
des dortigen Friedrichgymnasiums und schloß seine
humanistische Bildung von 1918 bis 1922 mit der Erlangung
des Reifezeugnisses am Hebelgymnasium in
Lörrach ab. Das Elend der Nachkriegsjahre zwang ihn
dann, zunächst eine zweijährige Lehre im Bankfach
durchzumachen, bis er im Jahre 1924 an der Universität
zu Basel sein Studium im eigentlichen Sinne beginnen
konnte. Im Wintersemester 1927/28 studierte er an der
Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin und vom Sommer
1928 wieder in Basel. Er beschäftigte sich vor allem
mit allgemeiner Geschichte, Philosophie und Staatsrecht
und besuchte auch Vorlesungen aus anderen Wissensgebieten
. Seinen Lehrern, besonders den Hochschulprofessoren
Bächtold, Baumgartner, Dürr in Basel und
Liebert und Meinecke, Berlin, blieb er immer in Dankbarkeit
verbunden. Im Jahre 1931 erlangte er die
Doktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität
zu Basel.
Als Gymnasiast schrieb er das Spiel „Traum eines
Glockengießers", und später sind von ihm viele Gedichte,
Prologe und auch Liedverse verfaßt worden. Jugendfreunde
und Schulkameraden brachten sein alemannisches
Weihnachtsspiel „Der heilig Oobe" anno 1934 in
Lörrach-Stetten zur Aufführung.
Auf dem Felde der Ehre verlor er im Weltkrieg zwei
seiner Brüder, der eine fiel in Polen und der andere in
Frankreich. Diesen hat er in treuem Gedenken sein
reifstes Werk, den „Doodedanz", gewidmet. Aus diesem
Erleben heraus mag dieser ernste, junge Dichter ihn
später niedergeschrieben haben; stark dabei noch beein^
druckt vom Tode seiner guten Mutter, die ihm, dem
Ahnungslosen, nur um 1% Jahre im Tode voranging.
Am 10. Mai 1937 weilte er noch mitten unter den
Hebelfreunden und alemannischen Landsleuten beim
Hebelmähli in Hausen im Wiesental, war aufgeschlossen
und gesprächig, und niemand ahnte wohl, daß der unerbittliche
Tod hinter ihm stand. Nur noch zehn Tage
waren ihm zugemessen. Eine Lungenentzündung warf
ihn nieder, und am 20. Mai 1937 schloß Friedrich Alois
Hugenschmidt für immer die Augen. An einem wundervollen
Nachmittag des darauffolgenden Maiensonntages
haben sie ihn droben auf dem Bergfriedhof zu Lörrach-
Stetten in das Grab gesenkt. Dort mag er nun ruhen —
und künden soll für ihn sein Werk! H. U.
Haüsgschbrööch un uf der Suechi, wo sie chönne schloofe
Der Dag isch umme. Uffem Märtblatz z'Bethlehem
hänn der Jakob, der Isak,- der Samuel un der Ephraim
e Gschbrööch mitnander.
Isak :
Wirds au mol anderscht wilder cho, git's au mol
bessri Ziide?
Samuel:
Mer müen der Himmel numme no meh um dä
Chünig bidde, wos ganzi Volch un 's ganzi Land
grooßmächtig het in siinere Hand.
Ephraim :
Glaub sälber au, 'uf sali chunnts aa, meh bädde
müemer und meh faschde.
Isak:
He du bisch au ne gschbässige Maa! Mer sin doch
dief in dene Laschde: Almose gämmer, wies mueß
sii, un faschde düemer grad wies rächt. Mer gänn
der Zehnt, iich bliib derbii un glaub, i bi so gwüüs
nit schlächt.
Samuel:
's sait jo ke Mänsch, so wie du bisch gieng gege
's Gsetz un siig e Sünd. Ich main doch säll, wo
gschriiben isch, wo me scho langi Zit verchündt.
Ich mein die Wtford, wo in der Schrift d'Prbfete sage
, dief vom Hail, wo alli Seele gwaldig trifft und
unsem Volch wird allwäg z'dail.
I sak :
Jä so, du mainseh die haiige Word, meinsch der
Messias, wo me sait: Er chömm uf d'Wält in unsem
Ort, do z'Bethlehem in Hailigkeit.
Samuel:
Jo, der Messias maini, unse Her und Chünig, unsi
Macht un Wehr.
Ephraim:
öb mir das no nerläbe?
Isak:
Iich glaub nit. Wenns Hail mol chunnt, no simmir
nüemme do.
Samuel:
's isch mämol wunderbar im Her sii Schritt. Worum
cho nidde, wil no d'Sunne uns aaschiint, der Messias
cho?
Isak:
No hädd' mer friili alles gunne, mir Manne do vo
Bethlehem. Mer müeßdenem gwüüß 's Ehreglait gee
bis in d'Stadt Jerusalem. Wenn säll wer, jo, säll det
mer gfalle, säll ließ si höre, wie no* nie, säll deet in
unsi Ohre schalle, ich waiß nit, cha nit sage, wie.
I find ke Woord für sone Wunder, 's Messiasriich
chönn unser sii.
Jakob:
Dihr schwätzet wäger elde Plunder, do bini gar nit
gärn derbii.
Samuel:
Was, Jakob, glaubsch du nit ans Hail, wo der Messias
bringe wird?
Jakob:
Dä Glauben isch mer lang scho fail.
Ephraim:
He aber au, bisch du veriirt!
Isak:
De hesch hald vo de Sadduzäer z'viel aagno scho
z'Jerusalem.
Jakob:
Sää cho scho sii un wägedem sin dihr doch numme
Farisäer. Der chönnet dängge, was der wänd, zum
Himmel heben eui Händ: Säll profizaidi Züüg isch
numme, frei sagi's uuse, für de Dumme. Uf des ane
verschregge der Samuel, der Isak un der Ephraim
arg. Der Jakob redet aineweg. Was hämmer denn vo
de Profede! Löhnd doch die aide Grauder rede un
schwaudere un 's Glück verhaiße für die, wo hüede
d'Schoof un d'Gaiße. Un für die Lahme, für die
Blinde, wo maine, chönnde Hailig finde! 's Hail isch
doch numme für die Arme, wo weise, hüüle nom
Erbarme. Was wämmir 's Hail! Mir sin jo gsund,
mir sin jo riich, hän Gäld un Guet. Was goht is aa
der Armi Schund! Mir hänn e fraie Läbesmuet. Mir
sin im Volk e fiini Pflanze un suufe Wii un göhn
go danse. Jo, läbe wämmer, singe, suufe, Messias? —
Jo, rächt für e Huufe. Der grooßi Huufe hindrem
drii — dä chanis aber gschdohle sii.
Samuel:
Du geifrisch au e Huufe zäme, du junge Kärli,
soddsch di schäme.
Isak:
Was mainsch, was deet di Vadder sage?
Ephraim:
Er nehm en allwäg no am Chrage.
Samuel:
Er hördi dängg nit lang so zue.
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