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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1952-11/0010
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Die Markgrafschaft

Frankreich, insonderheit aber im mittäglichen,
ihres Glaubens wegen gehabt haben. Denn der
Mann war meisterlos von Kindesbeinen an, soll
schon seine Amme gebissen haben, und haßte
die Zucht sein Leben lang. Er hatte sich vorgenommen
, er wolle Herr und Meister sein nicht
nur in seinem Königreich, sondern auch weiter
hinaus, so weit sein Arm das Szepter schwingen
könne, und seine Marschälle mit seinen Soldaten
marschieren könnten. Nun war vordem das
Franzosenvolk ziemlich eng beisammen, und in
allerlei Leichtsinn und üppiges Leben gefangen,
aber sie genossen doch ihre Freiheiten, und der
Erneuerer unseres Kirchenwesens fürs ganze
Welschland und Engelland, der hochgepriesene

Geheimnis

In allem läbt durane
insgeheim e sdoüüdfi Seel.
Du hesdb e traumhaft Ahne,
folg sellem liise Mahne,
no gosdo ganz gwiß nit fehl.

Du gspürsdh bi some Sträbe
wie wenig eis dodo weiß
vom groß un dfleine habe,
vo dem mer zrings umgäbe,
wie vom e Gsdbwisöoterkreis.

Es sdhwebt no um die Dode —
für uns halt dode — Ding,
in, uf, un übrem Bode,
e Huudh vo Gottes Ode,
un nüt isd) dblei un gring.

Lina Kromer

Aus: „Im Blaue zue"

Meister Calvinus, hatte namhaften Success in
welschen Landen, obgleich seine Landsleute
schwerhörig waren für seine Predigten und
leichter fertig mit dem, was Gott befohlen, als
die Nationen deutscher Zunge. Der Louis Qua-
torze wollte nicht, daß es in seinem Land Leute
gäbe, die anders glaubten denn er, und hat alles
unternommen, was nicht recht war vor Gott, die
Reformierten von ihrem Glauben abzuzwingen.
Wer nicht wollte und glaubte, wie er selbst, der
mußte von Haus und Hof, auf die Galeeren oder
aus dem Land, und sind also vor neunzig Jahren
bei einer Million Reformierte aus Frankreich ins
Deutschland, die Schweiz, nach Holland oder
Engelland verzogen. Solchen Haß hat aber selbiger
König nicht am Wege gefunden, sondern
schon von seinem Vater ererbt gehabt, der sich
der Dreizehnte schrieb, insonderheit giftig gegen

die Reformierten in Navarra, so sein Vater,
Heinrich der Vierte, vordem ererbt und allein
regiert hatte. Dieser war selber reformiert gewesen
, bis er nach Aussterben des Hauses Valois
der Krone Frankreichs halber seinen Glauben
changierte: der leichtfertige König hielt dafür,
Paris und die Krone seien schon eine Messe wert.
Doch hat er bei seinen Lebzeiten und weil er
reformiert erzogen war, nachdem er Navarra mit
Frankreich vereint, lebtäglich seine Hand schirmend
über die Reformierten gehalten, bis ihm
der Dolch des Mörders Ravaillac das Herz abstieß
. Kaum war sein Sohn, Ludwig der Dreizehnte
, König, begannen die Händel mit den
Reformierten in seinem Stammland. Und da
dieselben, wie gemeiniglich in Frankreich und
anderswo, uneins, so verloren sie an manchen
Orten das Spiel und wurden von den Königlicher!
übermannt. Es gab halt unter den Reformierten
auch sehr viele vor! Adel. Diese waren, abgesehen
von ihrem Glauben, gut königlich, und da
nun schon Heinrich der Vierte um der Krone
willen den Glauben changierte, so machten es
ihm viele große und kleine Herren nach und
fielen ab; andere ließen wenigstens dem König
zulieb ihre Glaubensgenossen im Stich. So war
bald das ganze Königreich Navarra völlig in des
Königs Gewalt und seiner Jesuiten. Bis dahin
waren die Navarresen ein freies und frankes
Volk gewesen, wo sich die Gemeinen und die
Landschaft selbst regierten, wie heutzutage noch
in unseren Reichsstädten und in der Schweiz.
Aber es waren doch, insonderheit in den Berglanden
, noch immer viele Gemeinen, welche sich
ihrer Freiheit nicht so leichten Kaufs begeben
wollten, darunter die Bergstadt Mas d'Azil. Im
Jähre 1624 entbrannte ein gewaltiger Krieg,
darin des Königs eigene Vettern, die reformierten
Herzöge von Rohan und von Soubise, eine
große Rolle spielten. Was für die Reformierten
sehr vom Übel war, das war die Eifersucht zwischen
denen im Languedoc, so ihre eigene
Sprache und Gerechtsame hatten, während der
Herzog Rohan, dieweil er aus Nordfrankreich
war, denen im Languedoc als Francimann verdächtig
war; denn die Nordfranzosen waren im
Süden verhaßt. Das wußte des Königs Ratgeber
und rechte Hand, der Kardinal Richelieu, sehr
gut und gründete seine Arglist darauf.

Der König sammelte ein mächtiges Heer unter
der Führung des Marschalls von Themines-
Cardaillac, so ein alter, gegen die Hugenotten
ergrimmter Haudegen war. Bei Castres, in der
Grafschaft Albigeois, trafen die Königlichen mit
den Hugenotten, über welche Rohan befehligte,
in einer Schlacht zusammen; die Königlichen
wurden aufs Haupt geschlagen und zogen sich
zurück. Marschall Themines beschloß nun, die
kleinen festen Bergstädte, dazu auch Mas d'Azil,
dem Erdboden gleich zu machen, wie deren viele,
von lauter Hugenotten bewohnt, im pyrenäischen
Hochgebirg lagen, und welche allemal, wenn die
Reformierten geschlagen waren, ihrer Armee als
Zuflucht dienten. Der Marschall machte mit Mas
d'Azil den Anfang, weil das Städtchen mit

(Fortsetzung S. 10)


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