Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1953-01/0010
Die Markgrafschaft

auf den Glanz der Kaiserstadt folgte das stille
Breisgaudorf. Der Fürstabt von St. Blasien entschädigte
ihn für die erlittene Kränkung und
übertrug ihm die Statthalterei der Herrschaft
Staufen nebst der Propstei Krozingen. Nun war
es ihm angelegen, seinen „Wittibsitz" gut und
„kommend" einzurichten. Der Hof, über den
schon die Stürme des 30jährigen Krieges dahin-
gebraust waren, war alt und in üblem Zustand.
Mit eigenen Mitteln ließ er ihn herrichten, um
ihn ganz nach seinem Geschmack zu bewohnen.
An Stelle der Wiesen wurden gärtnerische Anlagen
angelegt. Außerdem wandte er sein besonderes
Interesse der Förderung der Bienenzucht
zu, legte große Maulbeerpflanzungen an für
Seidenraupen und zahlreiche Schafherden weideten
auf den ausgedehnten Wiesen.

Die besondere Freude seiner Mußestunden
war die Musik.

Daß er trotz seiner Enttäuschungen ein umgänglicher
, fröhlicher Herr geblieben ist, dafür
spricht die bekannte Anekdote, die von ihm überliefert
ist: Als er eines Tages im Gasthaus „Drei
König" in Basel die Rechnung verlangte, war
diese unverhältnismäßig hoch. Darüber zur Rede
gestellt, erklärte der Wirt: „Es sind in all diesen
Jahren so viele geistliche Herren aller Orden bei
mir eingekehrt, die statt zu bezahlen, sich auf
den lieben Herrgott berufen haben. Nun ich ihn
einmal da habe, muß ich mich an ihn halten".
Und der Probst bezahlte lachend die Zeche. —
Zwölf Jahre durfte er sich seines aufblühenden
Sitzes erfreuen.

Ehe wir auf unserem Spaziergang durch die
Jahrhunderte ins aufgeklärte 19. Jahrhundert
hinüberwechseln, sei noch kurz eine kleine Spukgeschichte
erwähnt, die zu einem richtigen Schloß
nun einmal gehört. Sie knüpft sich, wie der bekannte
Lörracher Arzt Dr. Kaiser in seinen
Lebenserinnerungen erzählt, an den Bildstock
einer russischen Fürstin, die mit ihrem sechsspännigen
Reisewagen tödlich verunglückte, an

der Stelle, wo der Feldweg vom Schloß in die
Landstraße einbiegt. Der Bildstock steht noch,
die Tafel mit der Inschrift ist der Zeit zum Opfer
gefallen und auch die Geister sind verschwunden
— wahrscheinlich ist es ihnen in der Nähe der
automobildurchsausten Landstraße zu ungemütlich
geworden.

Begeben wir uns nach dieser kurzen Abschweifung
in die vierte Dimension wieder auf
realeren Boden.

Als am Anfang des 19. Jahrhunderts der
Staat die meisten Klostergüter an sich zog, wurde
auch der Propsteihof verstaatlicht. Mit dem Ende
der Sankt-blasianischen Herrschaft war für den
Ort Krozingen und das Schloß ein wichtiger Abschnitt
in ihrer Geschichte abgeschlossen.

Im Jahr 1828 erwarben zwei Franzosen namens
Noblecourt und Lerche das Schloß und
errichteten darin die erste Zuckerrübenfabrik in
Deutschland. Der Betrieb gestaltete sich aber
nicht rentabel und mußte in den 40er Jahren
wieder eingestellt werden. Sei es, daß sie gegenüber
den bald darauf errichteten Fabriken in
Mitteldeutschland nicht konkurrenzfähig waren
wegen des teueren Kohlentransportes, oder
waren die schlechten Jahre mit ihrem Mißwachs
schuld daran, vielleicht auch weil der Absatz
fehlte, da für die breitere Masse der Bevölkerung
der Zuckerverbrauch ein Luxus und die
noch heute gangbare Redensart „teuer wie
Zucker" damals bittere Wahrheit war. Im Gasthaus
„zum Löwen" befinden sich aus jener Zeit
noch heute Formen aus Ton zum Gießen der
Zuckerhüte und da und dort in Bürgerhäusern
eiserne Stößel zum Stoßen der Rüben.

Der nächste Besitzer war Baron Röder, bis
das Schloß in den 50er Jahren an die Familie
von Roggenbach überging, die bei den alten Leuten
noch immer in guter Erinnerung steht. Von
da kam es 1887 durch Erbschaft in den Besitz
der Baronin Huber von Gleichenstein, die es
noch heute mit ihrer Familie bewohnt.

Professor Dr. h. c. Max Länger t

Grau und nebelschwer hingen am vergangenen
Freitagmorgen die Wetterwolken über dem
Tal der Wiese und der Bergesanhöhe des Käferholzes
, als still und leise der Schnitter Tod an das
Krankenbett eines Menschen und Künstlers trat,
um ihn für immer heimzuholen. Still und ruhig,
wie es seinem verinnerlichten Wesen entsprach,
verschied im 88. Lebensjahre der weithin bekannte
Keramiker, Bildhauer, Maler und Architekt
, Professor Dr. h. c. Max Läuger. Man sah in
der letzten Zeit die schlanke, hochgewachsene
Gestalt mit dem geistvollen Kopf, den klugen
und gütigen Augen und den sprechenden Händen
nur selten, er hatte sich ganz in die Stille und
Abgeschlossenheit seines Landhauses am Tüllinger
Berg zurückgezogen. Dennoch hielt er mit
der Außenwelt noch immer engen Kontakt und
oft kamen Besucher aus nah und fern, Künstler,
Maler, Dichter und Denker, um mit diesem
seltenen, begnadeten Künstler und Menschen

Zwiesprache zu halten. War er doch wie kein
anderer dazu berufen, aus der Fülle seines reichen
künstlerischen Lebenswerkes zu erzählen
und Lebenserfahrungen weiterzugeben. Professor
Dr. h. c. Max Läuger hatte sich der Kunst der
Keramik verschrieben. Ostasien, der Orient,
Ägypten und Europa haben in der vorgeschichtlichen
und frühgeschichtlichen Zeit bereits eine
hohe keramische Kultur besessen. Die griechische
Vasenkunst ist weit bekannt. Im 15. und 16. Jahrhundert
entwickelte sich in Deutschland die
Kunst des Steinzeugs. Sie erhielt einen entscheidenden
Auftrieb durch die Erfindung des Porzellans
durch I. Fr. Böttger, und viele keramische
Werkstätten hatten sich dieser hohen Kunst verschrieben
, so auch Professor Max Läuger, der am
30. September 1864 in Lörrach zur Welt kam und
vom Jahre 1898 an als Professor an der Technischen
Hochschule in Karlsruhe mit großem Erfolg
wirkte und dort eine eigene keramische


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1953-01/0010