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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1953-08/0010
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Die Markgrafschaft

charakteristischer Ausbildung treten bei Rührberg
und St. Chrischona im westlichen Dinkelberg
auf; die größten und schönsten aber liegen
im Osten bei Kürnberg und Hasel, wo man von
einer wahren Dolinenlandschaft sprechen kann.
Auch an Höhlenbildungen ist der Dinkelberg besonders
reich; die bekanntesten und längsten
sind die Erdmannshöhle bei Hasel, die heute
durch einen künstlichen Stollen bequem zugänglich
gemacht ist, die Tschamberhöhle bei Riedmatt
und die Höhle bei Dossenbach. Auf dem
Grund der Haseler Höhle fließt ein recht kräftiger
Bach als Fortsetzung des weiter oberhalb
oberflächlich fließenden Haselbaches. Durch Färbversuche
wurde festgestellt, daß sich der Austritt
des Höhlenbaches im Wehrer Brunnen vollzieht
, 1200 Meter flußabwärts. Die Haseler Höhle
ist leider heute ihrer schönsten Tropfsteingebilde
beraubt, doch gibt es noch an manchen Stellen
sonderbar geformte Stalaktiten, die die Phantasie
mit allerlei Namen belegt. Die Tschamberhöhle
ist ein ehemaliger, heute meist trocken liegender
Bachlauf, der ebenfalls einige hundert Meter
weit zugänglich gemacht ist. Der Austritt der
Höhle erfolgt im Rhein, während als Einlauf das
im Baselwald bei Nordschwaben gelegene, schwer
zugängliche Teufelsloch zu gelten hat.

Wie in allen Karstgebieten, so können wir
auch auf dem Dinkelberg häufig das plötzliche
Versinken von Bächen feststellen, zum Beispiel
im Entengraben und Schammernbach bei Hasel.
Die Folge hiervon ist die große Zahl von Trockentälern
, zum Beispiel bei Grenzach, Bettingen,
Adelhausen, Nordschwaben, Karsau und so weiter
. Andererseits treten unvermutet starke Quellen
auf, die von dem versickerten Wasser gespeist
werden, wie zum Beispiel die Quelle in Dossenbach
, die schon bald nach ihrem Austritt eine

Mühle treibt, oder die Quellen in Nieder- und
Oberschwörstadt, Herten und Nollingen. Besonderes
Interesse bringt der Naturfreund verständlicherweise
der seltsamen Karsterscheinung des
periodisch auftretenden Eichenersees entgegen.
In trockenen Monaten kann die nicht sehr tiefe,
ovale Wanne vor; 600 Meter Länge und 300 Meter
Breite als Ackerland genutzt werden; wenn sich
aber das Becken in unregelmäßigen Abständen
füllt, dann entsteht hier ein 1—3^ Meter tiefer
See. Der See bildet sich durch Zutagetreten von
Grundwasser aus verschiedenen Speilöchern in
der Dolinenwanne, die dann bei einem Ansteigen
des Wasserspiegels um 8 bis 14 cm in 24 Stunden
nach rund zwei bis fünf Wochen aufgefüllt ist.

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß die Wasserversorgung
der Dinkelbergdörfer von jeher
ungleichmäßig sein mußte und daß sie mit allerlei
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. In früheren
Zeiten wurde das Wasser meist direkt den
Quellen entnommen, deren Ergiebigkeit von den
Niederschlägen abhängig ist. Manche Quellen
versiegen bei Trockenheit, andere liefern bei zu
starken Regengüssen trübes Wasser, andere wieder
stark; gipshaltiges und daher unbrauchbares
Wasser. So entschlossen sich denn manche Gemeinden
des Dinkelbergs, das Grundwasser aus
den Schottern des Rhein- und Wiesetales für die
Versorgung auf die Höhe zu pumpen und von
hier aus durch eine zentrale Dinkelbergwasserleitung
zu verteilen. Dieses Pumpwerk wurde
bei Maulburg erstellt, hebt das Wasser auf die
Hohe Flum und ermöglicht so einen reichlichen
Wasserzufluß. Kleinere Pumpwerke versorgen
Grenzach, Wyhlen und Herten mit Rheingrundwasser
, während die übrigen Dinkelbergdörfer
nach wie vor aus den stärker sprudelnden Karstquellen
versorgt werden. Dr. A. Baumhauer

Bfcfe in die Welt

I.

Begegnungen in Frankreich

Man macht uns gelegentlich den Vorwurf, wir
seien kleine Lokalpatrioten und außer Hebel
und ein paar alten, nicht gerade bedeutungsvollen
Kirchen interessiere uns nichts. Man
kann aber wohl seine Heimat lieben und trotzdem
aufgeschlossen allem Schönen und Großen
in der Welt gegenüberstehen. So möchten wir
an dieser Stelle Eindrücke von Menschen
wiedergeben, die aus unserer Heimat in die
Welt zogen, um sich dort für eine längere oder
kürzere Zeit umzusehen.

Wir beginnen mit einem Bericht, den wir einer
Schülerin der Oberprima des Gymnasiums
Müllheim verdanken. Dazu sei vermerkt, daß
seit zwei Jahren Begegnungen zwischen Schülern
der Oberschule in Mäcon und des Gymnasiums
Müllheim stattfinden, wozu wir beide
Schulen beglückwünschen dürfen.

Am 19.6.53

Wir sind in Mäcon. Als wir gestern abend müde,
aber erwartungsvoll und gespannt aus dem Zug sprangen
, blickten uns gespannte Gesichter entgegen, und ein
wahrer Redeschwall von unverständlichen Worten ergoß
sich über uns. Eine erste Kostprobe von dem, was uns

noch blühte. Alles ging dann sehr schnell, und bald
flatterte die ganze Gesellschaft auseinander. Mich führte
man durch ein Gewirr von dunklen Gäßchen, über eine
Brücke, durch eine breite Straße, und schließlich war
auch der große Augenblick der ersten Begrüßung, vor
dem mir ein wenig gebangt hatte, vorüber, und ich war
zu Hause, so seltsam es klingen mag. Ich war zu Hause
in einem fremden Land, unter fremden Menschen, die
eine fremde Sprache sprechen.

den 21.6.53

Heute ist Sonntag. Der erste Sonntag in Frankreich.
Die Sonne spiegelt sich auf den Wellen der Saöne, deren
Ufer von Linden umsäumt sind. Dichtgedrängt stehen
die alten, grauen Häuser Mäcons, die mit ihren flachen
Dächern und den bunten Vorhängen und Blumen an
den Fenstern schon fast einen südlichen Anblick bieten.
Tout le monde va ä l'eglise, was vielleicht nicht ganz
stimmt, denn ich habe feststellen müssen, daß in Frankreich
nur wenige Leute wirklich gern zur Kirche gehen.
Der Pfarrer predigt französisch, aber was er dort in
einer fremden Sprache sagt, wird in der ganzen Welt
verkündigt, es kennt keine Grenzen.

Eine Musikkapelle zieht mit Lärm vorüber. Sie ruft
eine ungeheure Begeisterung bei den Spaziergängern


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