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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1959-05/0012
her, sondern zweifellos auch von dem neuen
Grabmal selbst. Es zeigt die typischen Stilmerkmale
der Zeit der Jahrhundertmitte: Klassizistische
Elemente — im Sockel — mischen sich mit
romantisierend gotischen — in der Stele. Aber
da ist nichts mehr von der Wucht der an Antike
und Renaissance orientierten Schöpfungen etwa
Weinbrenners, nichts von der edlen Schlichtheit
der klassizistischen Formen, wie sie etwa der in
seiner Nische stehende Grabstein Zeyhers — der
Gartenbaudirektor ist 1843 gestorben — noch
aufweist. Auch die neugotischen Elemente des
Grabmals prägen sich nicht rein aus. Wohl ist
die Stele noch ein wenig angerührt von jener
Zurückhaltung und Sparsamkeit der Erscheinung
, die viele neugotische Architekturwerke
der Zeit auszeichnet und ihnen eine gewisse Vornehmheit
verleiht; wohl bringt sie durch gotische
Hohlkehle und durch die Fraktur einen romantischen
, einen „vaterländischen" Ton in den ganzen
Entwurf. Aber zu massig liegt der aufdringliche
Unterbau der Einfassung der Schlankheit
des Gedenksteines zu Füßen und zerstört ihre
Wirkung. Das Ganze ist sehr brav und übersichtlich
aufeinandergesetzt, aber es ist konstruiert
und erinnert an Vorlagen zu einem Baukasten.
Die Unausgeglichenheit mag von der Vielköpfigkeit
des Komitees herrühren, das sich mit dem
Entwurf zu befassen hatte. Sehr wahrscheinlich
wäre ein Grabmal nach einem römischen Vorbild
, wie es Staatsrat Brunner vorgeschlagen
hatte, einheitlich in der Erscheinung und eindrucksvoller
in der Wirkung gewesen. Sehr
wahrscheinlich wäre auch der alte Grabhügel mit
der schlichten Platte auf der Seite heute noch
eindrucksvoller als das stilistisch seltsam gemischte
Denkmal, dessen Anblick den ästhetischen
Fähigkeiten der um die Erstellung bemühten
. Kunst- und Bauexperten kein allzugutes
Zeugnis ausstellt. Indessen — jede Zeit hat ihre
Formen, und zweifellos waren die Förderer und
Erbauer des Hebelgrabmals voll des guten Willens
, auf Hebels Grab ein möglichst schönes
Denkmal zu setzen, und hatten die Überzeugung,
daß ihnen das auch gelungen war. Kein Zweifel
auch, daß das neue Grabmal auf die damals
Lebenden auch eine große Wirkung ausübte und
die Bedeutung Hebels herausstellte, weil es dem
Zeitgeschmack entsprach.

Wenden wir uns nun noch dem Schlußwort

zu, das Junker seinem Hebel - Büchlein beifügt,

da es noch manches Wissenswerte über das Grab

Hebels bringt:

Zunächst erwähnen wir des nach der Hebelfeier aufgetauchten
einseitigen Gerüchtes, als sei Hebel gar
nicht an der Stelle begraben, wo sein Denkmal
steht, sondern an einem ganz andern Theile des
hiesigen Kirchhofes. Wir haben von Personen, die
sich der Beerdigung Hebels noch gut zu erinnern
wissen und bei denen eine genaue Kenntnis aller
einschlägigen Verhältnisse vorausgesetzt werden
darf, die feste Versicherung erhalten, daß Hebel
wirklich da ruhe, wo nun sein Denkmal errichtet ist
und eine gegenteilige Behauptung aller Begründung
entbehre. Höchstens könne der nun beseitigte Stein,
den Zeyher selbst auf das erhöhte Grab des Freundes
im April 1827 habe legen lassen, um einige Linien
seitwärts von dem neuangelegten Durchgangswege
gerückt worden sein, über die Identität der Grabstätte
selbst aber könne kein Zweifel obwalten.

Der Gartendirektor Zeyher selbst hatte die Anlage
des Hebelgrabes gestaltet, die den Späteren
dann so sehr mißfiel und die doch soviel schöner
und würdiger war als das Steinmal von 1859.
Von diesem selbst gibt Junker sodann folgende
Beschreibung:

Das Grabdenkmal selbst, von welchem bereits die
Kunsthandlung Meder in Heidelberg eine Abbildung
in größerem Maßstabe hat anfertigen lassen (auch ist
dasselbe in der Leipziger illustrierten Zeitung vom
28. Mai ds. Js. nach einer Photographie abgebildet
erschienen), besteht aus dem wohlgetroffenen und
mit dem Lorbeerkranz geschmückten galvanoplastisch
ausgeführten Profil-Porträt des Dichters, angebracht
in einer glattgearbeiteten, oben bogenförmig
zugerichteten und in ein kleines Kreuz auslaufenden
Umfassung von gelblich - grauem Sandstein — die
Steinarbeiten hat Maurermeister Hofmann in Mannheim
geliefert —, etwa 12 Fuß hoch mit Einschluß
des Postaments, an das sich die steinerne Einfriedigung
ins Geviert anlehnt, Blumennsaat darin, an den
Ecken eherne Vasen als Kränze- und Blumenbehälter,
rings mit Rasen umlegt, die Rückwand mit Epheu
und drei in einiger Entfernung gepflanzten Bäumchen
(zwei hochstämmige Linden und einer Traueräsche
) geschmückt... Einfach und solid gearbeitet
verspricht das Denkmal eine große Dauerhaftigkeit.
Wie sich von selbst versteht, ist es für jedermann
ohne irgend eine Belästigung zugänglich. Für seine
würdige Erhaltung wird unter allen Umständen
Sorge getragen werden.

Anschließend erwähnt Pfarrer Junker die Stifter
und Förderer. An erster Stelle nennt er den
Großherzog und sein Haus, an zweiter die Generalsynode
(1855). Auch einige Institutionen werden
genannt:

Der Hebelfeier im Museum zu Karlsruhe (29.11.1856)
und des dortigen Liederkranzes unter Spohn's Leitung
haben wir in dieser Beziehung ganz besonders
dankend zu erwähnen. Das „Hebels - Album" (1857)
bleibt eine würdige Gabe der Erinnerung an den
sinnigen Eifer, den die Hebelfreunde in Karlsruhe
für die Denkmalssache entfaltet haben. Ebenso gebührt
der Stadt Mannheim, dem dortigen Lyceum,
einer zum Vortheile des Denkmals dort gehaltenen
Vorlesung, desgleichen den Lyceen zu Karlsruhe und
Wertheim, dem Gymnasium zu Lahr, der höheren
Töchterschule zu Karlsruhe, sowie jedem Einzelnen
der Beitraggeber vom Wiesenthaie bis zum Mainstrome
für ihre freundlichen und reichlichen Darbietungen
unser voller Dank.

Manche Gabe ist uns mit einer freundlichen Begleitschaft
zugegangen. So u. a. ein Beitrag aus Wertheim
, unter dem 14. Januar 1855 mit dem Motto:

Schibi, Schibo!

Wem soll die Schiebe goh?

Wer het, wie alle Lütt bikannt,

Si Heimett gha im Oberland?

Wer isch Prälat in Karlsrueh gsi,

E Meistersänger obedri?

Wer het si Oberländer Art

In Herz und Liedere ufbiwahrt?

Wer wird seil si?

Seil wird der Hebel si.

Schibi, Schibo!

Im Hebel soll die Schiebe goh!

Ferner erfährt man noch einiges über die Künstler
und Handwerker:

Dem Herrn Oberbaurath Fischer in Karlsruhe, von
dessen Hand der Entwurf zum Hebeldenkmal herrührt
, bleibt das Comite zu Dank verbunden; wir
wollen aber nicht mit Stillschweigen übergehen, daß
einen schätzbaren Beitrag zu diesem Denkmal auch
der vaterländische Bildhauer Xaver Reich geliefert

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