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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1959-05/0018
ybrig als disen wege zu Passiren: es ist mir also
sehr unbewußt, wie selbe mich so fälschlich und
ungegründet anklagen, und einer ausgeübten Jagde
beschuldigen könen.

Freyburg, den 5. Xber 1772

Carl Freyherr v. Rost, Fähnrich."

Auch die Wegnahme der Waidlinge hatte, obwohl
es sich um eine feuchte Angelegenheit handelte
, viel Staub aufgewirbelt. In einem besonderen
Schreiben vom 29. Okt. mußte Professor
Eberenz darüber berichten. Er weitet sein Schreiben
zu einem Gutachten aus. Er beweist, daß
das hohe Gestade im Zienkener Bann nur an
einer Stelle für zweihundert Schritt an ein Altwasser
grenzt und daher Zienken nur an dieser
Stelle das Recht habe, Fische zu fangen. Dafür
würden aber zwei kleine Waidlinge ausreichen.
Er übersieht dabei, daß die Fischer von Zienken
Mitglieder der Neuenburger Fischerzunft zum
Riesen waren und als solche das Recht besaßen,
von der Grißheimer Bannscheid bis zur ehemaligen
unteren Mühle von Neuenburg in den Rheinwassern
zu fischen. Allerdings legten die Zienkener
ihren Forderungen ein anderes Recht zu
Grunde, ausgehend von der Behauptung, daß es
sich um eigene Bannrechte handle. Da Professor
Eberenz in seiner hervorragenden Gesamtdarstellung
auf diese Waidlingsaffäre näher eingeht,
genügt es, das Gutachten nur kurz zu erwähnen.
Dieser Bericht aber lautet:

„Eure Exzellenz und Gnaden geruheten unterm
4ten Oktober mir den Hochgnädigen Auftrag
zu machen, alles in den unter den Hohen
Gestaden bey dem Markgräflich Badischen Dorfe
Zienken, und dortiger Gegend für die Rhein-
wuhrgebäude zu Altbreysach, und Neuenburg
tauglich erfindliche Holz unter Bedeckung des
k. k. militaris fällen, aufmachen, und durch bestellte
Schiffleute sogleich an die Bauorte abführen
zu lassen.

Zu gehorsamer Vollziehung hochgnädigen
Auftrages begab ich mich Dienstags den 6ten
nacher Neuenburg, verabredete mit Herrn Gränz
Commissarius Schuh die Veranstaltung der Arbeit
, bestellte über die Handarbeiter, Faschinenmacher
, Schiff- und Fuhrleute die nöthigen Aufseher
, und damit die Abfuhr auf dem Rheinstrome
beschleuniget würde, ließ ich den Alt-
breysachischen Zunft- und Steuermeister Mast
nacher Neuenburg berufen, trug selbem auf die
ganze in Breysach befindliche Fährenzunft auf-
zubiethen, um unter der Hand, was aufgebunden
worden, wegzuführen.

Die Handarbeiter und Faschinenmacher von
Harten, Grüssen, Bremgarten, Feldkirch, u. dgl.
Orten wurden beordert zu Neuenburg vor dem
Gasthause zum Schlüßel in der Frühe um die
7 Uhr zu erscheinen, weil ich auf dem Wasser
den Angriff zu wagen mir vorgenommen hatte.
Mittwoch der 7te als der zum Angriff bestimmte
Tag brach an, die Mannschaft erschien, wie in
beygerücktem Verzeichnis zu ersehen, ich theilte
selbe in mehrere Rotten, gab einer jeden ihren
besonderen Anführer, und gieng mit ihr zu
Schiffe, welche in großen Fahrwaidlingen bereitstunden
, und schon auf uns warteten.

In dem ersten Waidlinge fuhr Herr Fähndrich
von Rost, und ich nebst einiger Mannschaft:
in dem zweyten ein ansehnliches piquet von dem
zur Bedeckung ausgestellten k. k. militaire: in
dem dritten, und übrigen sieben Waidlingen die
Faschinenmacher, und Handarbeiter mit Aexten,
Säßlen, und anderem benöthigten Schneidzeuge.
Der Zug auf dem Wasser war herrlich anzusehen
, ungefähr wie eine Russische Kriegsflotte,
wenn sie in die See sticht, die Dardanellen an-
zugreiffen.

Wir langten an unterhalb dem Neuenburgi-
sehen Haßenwerde, bey dem ersten Streittkopfe,
so den Namen Teufelsgrün führet. Ich ließ die
dem Anführer Karl Litschgi untergebene Rotte
landen, durch ein Bedeckungs Commando die
ganze Insel durchstreifen, und den allenfalls
hinter den Hecken verborgenen Feind aufsuchen:
die Nachricht lief ein, daß nichts feindliches vorgefunden
worden. Der wirkliche Holzabhau fing
also selbst sogleich an.

Mit der übrigen Mannschaft landeten wir
besser unten in dem sogenannten Großgrüne,
einer Halbinsel gleich unter dem Hohen Gestade
bey Zienken; daselbst wurde dieser sehr weitschichtige
, und mit Embuscaden gänzlich verwachsene
Platz behörig recognoscirt, die piquets
und Feldwachen ausgestellt, und mit dem wirklichen
Holzabhauen der Anfang gemacht. Zu
gleicher Zeit schickte ich sechs Waidlinge mit
Säßlein in den sogenannten Hugokopf, eine nahe
gelegene Rheininsel, so in dem dritten Laube
war, die nöthigen Weiden zum Faschinen aufbinden
abzuholen.

Die sämtliche Mannschaft griff die Arbeit
munter an, und erlegte in kurzer Zeit einen
ansehnlichen Bezirk. Die Weiden langten an, die
Hartheimische Rotte unter Anführung des Faschinen
Commis Johannes Zürcher wurde beordert
Feuer anzumachen, die Weiden zu bähen,
und zu drähen, auch sogleich Faschinen aufzubinden
, damit die Neuenburgischen Schiffleute,
welche die Mannschaft herunter gebracht, laden,
und das aufgebundene wegführen könnten.

Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr erschien
unterhalb in der Rheininsel der Stabhalter von
Zienken mit dem sogenannten Scribenten des
Markgräflich - Badischen Hofrathes zu Müllheim,
welcher oberhalb auf dem Hohengestade nahe
bey dem Dorfe sich aufhielt. Der Scribent fragte
mich: Sind sie der Herr Professor Eberenz? Ich
antwortete: ja, was schaft man? Dieser sprach:
Der Herr Hofrath zu Müllheim ist droben bey
Zienken, und läßt ihnen sagen, sie seyen nicht
am rechten Orte, sie sollen sogleich ihre Mannschaft
dahier wegschaffen: dieser Grund und
Boden sey Markgräflich, und nicht österreichisch.
Ich erwiederte: ist dieses Zienken? ist dieses das
Hohe Gestad bey Zienken? so ist dieses, wo wir
stehen, die unter dem Hohen Gestade bey Zienken
gelegene Rheininsel, und folgends der rechte
Ort, wo ich seyn soll: ich habe keine ordres zu
untersuchen, wem Grund und Boden gehöre,
sondern nur alles in dieser Gegend befindliche,
und zum Wasserbaue taugliche Holz abhauen,
und wegführen zu lassen. (Schluß folgt.)

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