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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1959-10/0007
bin, der diese ganze Gegend fruchtbar gemacht
und die schönen Meiereien der Russen, als sie
weggingen, bar bezahlt habe. Endlich dienen
heute sämtliche Brücken und Kanäle, Teiche,
Schleusen, Landstraßen, Wege, Hafendämme,
Pontons und Mühlen, die ich mit meinem eigenen
Geld errichtet habe, der Öffentlichkeit und
die Staatsregierung muß sie mir ersetzen. Und
schließlich handelt es sich auch um das ganze
Gold, das im nächsten Viertel] ahrhundert noch
ausgegraben werden wird und worauf ich ein
Recht habe. Was soll ich tun? Mir wird schwin-

*

delig, wenn ich an die Summe denke, die das
alles vorstellt.

Wenn ich etwas dagegen unternehme, so ist
es nicht ein Prozeß, sondern es sind tausende,
die ich gleichzeitig gegen Zehntausende von Personen
, gegen Hunderte von Gemeinden, gegen
die Regierung des kalifornischen Staates und
gegen Washington zu führen haben werde.
Wenn ich etwas anfange, so muß ich nicht eines,
sondern zehn und hundert Vermögen einsetzen.
Gewiß sind es die Forderungen wert, und schon
vor der Entdeckung des Goldes war ich nahe
daran, der reichste Mann der Welt zu werden.
Wenn ich etwas anfange, so gilt es ja nicht
mehr, ein neues Land zu erobern, wie damals,
als ich ganz allein an der Sandküste des Pacific
hier ausstieg, sondern ich werde die ganze Welt
gegen mich haben und lange Jahre kämpfen
müssen. Außerdem fange ich an, alt zu werden,
habe schon ein schlechtes Gehör und kann mich
nicht mehr auf meine Kräfte verlassen. Deshalb
ist mir der Gedanke gekommen, meinen ältesten
Sohn Emil auf die Universität zu schicken, denn
ihm wird es obliegen, diesen riesigen Goldprozeß
zu führen, und wenn er zur Familie gehört, wird
er die Fallen und Schlingen der Gesetze und
der Gesetzesleute besser umgehen können als
sein dummer alter Vater, der, ich muß es gestehen
, sich sehr vor diesen Gaunern fürchtet.

In aller Wahrhaftigkeit sei es gesagt: Ich
kann das alles nicht einfach so verlieren, ohne
mich zu wehren, das wäre eine Ungerechtigkeit.
Oft frage ich mich auch, ob ich das Recht habe,
einzugreifen und ob nicht allzuviele menschliche
Interessen auf dem Spiele stehen, die ich nicht
übersehe und ob Gott, der im Himmel thront,
mit all diesen Menschen, die er ins Land schickte,
nicht ganz besondere Absichten hat. Und ich
selber fühle mich in seiner Hand ganz klein.

Was soll ich tun?

Gold bringt Unglück. Wenn ich nun dran
rühre, ihm nachjage und zurückfordere, was mir
mit vollem Recht zukommt, werde ich dann nicht
auch meinerseits verflucht werden, nach dem
Beispiel so vieler anderer, von denen ich Ihnen
bereits berichtet?

Sagen Sie mir, was ich tun soll!

Ich bin zu allem bereit. Verschwinden? Oder
arbeiten? Ich kann mich auch wieder neu an
die Arbeit setzen und Viktor und Artur unterstützen
, die ihre Sache sehr gut machen. Ich
kann danach trachten, aus meinen Farmen,
Meiereien und Plantagen ein Maximum herauszuholen
, neue Pflanzungen anlegen, meine
Indianer und Kanaker mit Arbeit überhäufen,
mich in neue Spekulationen stürzen, kurz, das
zu den Prozessen notwendige Geld verdienen
und bis zum Ende meiner Kräfte kämpfen. Aber
ist das wirklich nötig? Ich habe Heimweh. Ich
denke an unsern schönen kleinen Basler Kanton
und möchte dahin zurück. Gott, wie sind Sie
glücklich, lieber Herr Martin, daß Sie zu Hause
bleiben können. Ich kann ja auch die beiden
Farmen und die Ermitage verkaufen, alles liquidieren
, heimfahren und meine Kinder in der
Schweiz versorgen. Soll ich das tun? Oder hieße
das desertieren? Habe ich das Recht, das Land
aufzugeben, dem ich mein Leben geschenkt, und
das, ich fühls, mir das meine rauben wird?

Sagen Sie mir, was ich tun soll, lieber Herr
Birmann. Ich werde Ihren Rat auf das genaueste
befolgen und Ihnen blindlings gehorchen. Ich
wende mich an Sie, weil Pater Gabriel mir von
Ihnen sprach, als er zur Farm kam, um meine
arme Anna in frommer Weise zu beerdigen. Er
sagte, er habe Sie in seiner Kindheit gekannt.
Ich glaube, er ist aus Ihrem Dorf gebürtig. Wie
ich gehört habe, soll er Merz heißen, aber ich
bin dessen nicht ganz sicher, denn er ist ebenso
verschlossen wie die Indianer, denen er sich mit
Leib und Seele gewidmet hat, und er spricht
nie von den Seinigen. Früher, als ich an der
Grenze Krieg führte, hatte ich keinen schlimmeren
Feind als ihn, denn als Landsmann verargte
er es mir, daß ich die Indianer und Kanaker
zur Arbeit zwang. Aber in der Folgezeit hat
er verstanden, daß es ohne diese nie zu etwas
hätte kommen können und daß auch sie nicht
mehr ohne mich hätten leben können, nachdem
die Mexikaner sie verraten hatten. Was die
Kanaker betrifft, so bin ich nie schlecht zu ihnen
gewesen, Pater Gabriel hat das selbst feststellen
können. Auch ist er der einzige gewesen, der in
meinem großen Unglück zu mir kam, wo alle
andern mich im Stiche ließen, und seitdem ist er
mir treu geblieben, und ihm verdanke ich auch,
daß meine Kinder sich jetzt etablieren können.
Er ist ein Heiliger, möge Gott ihn in seinen
Schutz nehmen.

Und auch Sie, lieber Herr Martin Birmann,
der Sie während so vieler Jahre meinen Kindern
den Vater ersetzt haben, denselben, der Sie
heute im Namen seiner Kinder anfleht, zu
sagen: Was soll ich tun?

So gebe es Gott!

Ihr Bruder in Jesus Christus
Kapitän Johann August Suter"

Bauernspruch

Nüt git's so vo hüt uf morn,
vorem Brot isch's Mähl un 's Chorn,
isch der Schweiß, der Wind un Rege:
Mensch, gang, bitt um Sunn un Sege!

Hedwig Salm

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