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damaligen Zeit: „So jemand wollte, konnte er
Silber und Gold offen an einem Stocke durch das
Land tragen".
Einen besonderen Anstoß aber nahm er an
der Stadt Neuenburgda sie außerhalb der Verpfändung
geblieben war, nicht seiner Botmäßigkeit
unterstand und eifersüchtig über ihre verbrieften
Rechte wachte. So suchte er nach einem
Reibungspunkt, um eine Angriffsmöglichkeit zu
erhalten. Dieser war dadurch gegeben, daß der
größte Gemarkungstedl der Stadt jenseits des
Rheines im Elsaß lag. Durch die Adolfinischen
Privilegien war der Stadt für alle Zeiten der
Besitz der Rheininseln zugesagt worden, sowie
das Recht der Rheinüberfahrt und das Fischrecht
im Strom. Darüber war sie mit den benachbarten
elsässischen Gemeinden in dauernde Streitigkeiten
verwickelt. In diese Streitigkeiten gedachte
Peter von Hagenbach einzugreifen. Zwischen den
Städten bestand aber noch ein gutes Einvernehmen
. So warnte Freiburg 1471 die Stadt Neuenburg
, nachdem es von beabsichtigten Unternehmungen
des Hagenbachers Kenntnis erlangt hatte.
Neuenburg war über diese Fürsorge sehr erfreut
und bedankte sich in einem besonderen noch
erhaltenen Schreiben. Der Rat der Stadt setzte
sich auch mit Endingen in Verbindung.
In jener Zeit führte das Glied eines altadeligen
Geschlechtes, Ludwig Sigelmann4, die Geschäfte
der Stadt als Bürgermeister. Er hatte
sich, auf das Recht der Stadt pochend, bei dem
Hagenbacher sehr verhaßt gemacht, so daß ihn
der Landvogt der Räuberei beschuldigte. Im
Jahre 1473 war der Bürgermeister zu einer Hochzeit
nach Lohr im Elsaß geladen worden und
dorthin gereist. Aus der Hochzeitsgesellschaft
heraus ließ der Landvogt ihn festnehmen und
brachte ihn in seinen harten Gewahrsam. Er
zwang den des Landfriedensbruches Beschuldigten
Urfehde zu schwören und sich zu verpflichten
, die Stadt Neuenburg nicht mehr zu
betreten. Damit glaubte er, die Stadt führerlos
gemacht und mit den andern ein leichtes Spiel
zu haben. Er verletzte den Stolz und das Rechtsgefühl
der Bürger zutiefst. Sie zwangen aber den
Bürgermeister zur Rückkehr in die Stadt und
zur Wiederaufnahme seines Amtes5. Der Konflikt
war gegeben. Die österreichische Regierung
stellte sich hinter die Stadt und wandte sich
über den Landvogt hinweg direkt an den Herzog
von Burgund. Karl der Kühne wünschte jedoch
vor einer Entscheidung seinen Landvogt zu
hören.
Am 10. Juni 1473 erhielt Neuenburg von der
Stadt Freiburg folgendes Schreiben, das gleichlautend
auch an Basel ging (Frbger Missivbuch
1473 v. 29. V. an): „Unser früntlich willig dienst
vor, Ersame, wysen, besundern lieben und guten
fründ. Hüt sind nie fürgezogen uf Brisach zu
hundert zu roß und zwentzig zu fuß Lomparter,
wol gerüst, die hand wir nit ingelasen, und in
sollenn auch vier wegen mit harnasch nach gan.
Was wir mer diser ding herfaren das wollen wir
uch nit verhalten. Uch fruntschaft zu erzeigen,
seit an unnserm willen nit erwinden. Datum
uf fritag vor dem sonn tag trinitatis (10. Juni),
anno LXXIII tis."
Im Dezember 1473 ließ Basel Freiburg wissen,
daß es Nachricht erhalten habe von einem bevorstehenden
Kriegszug Hagenbachs gegen Neuenburg
. Der Rat der Stadt vertraute nicht allein
auf die österreichische Hilfe, sondern wandte sich
an den Markgrafen Karl von Baden und an die
Stadt Basel um Hilfe. Er schloß mit Basel ein
Bündnis. Diese Stärkung des Gegners verbitterte
den Landvogt umso mehr. Nun ereignete sich
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