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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1961-05/0016
Standort dieser kleinen Industrie, wenn man
diese Anlage überhaupt so bezeichnen kann, denn
es handelte sich doch wohl nur um einen Versuchsbetrieb
. Abgelegen und fernab der Hauptanbaugebiete
der Zuckerrübe, war die Versorgung
des Betriebes mit Rüben immer gefährdet.
Zudem war die Landwirtschaft damals nur allmählich
dazu zu bewegen, überhaupt Rüben auf
größeren Flächen anzubauen. Eine wirkungsvolle
staatliche Unterstützung blieb diesem Betrieb
versagt. Trotz wiederholter Eingaben konnte sich
das großherzogliche Finanzministerium nicht dazu
entschließen, Grether zu unterstützen, obwohl
die damaligen Fachleute dringend auf diese Notwendigkeit
hinwiesen und auch andere Fabriken,
etwa die des Forstrats Rettig im Heidelberg,
staatlich subventioniert wurden. Das Finanzministerium
ließ es bei einer formellen Anerkennung
der Verdienste Grethens bewenden, als
es am 17. Mai 1813 erklärte, daß „die vom Rebstockwirt
Grether in Sulzburg gemachten Versuche
denjenigen des Forstrats Rettig in ihrem
Resultat ziemlich gleichkommen mögen".

Grether war nun nicht mehr in der Lage, mit
dem aus Übersee eingeführten Rohrzucker zu
konkurrieren. Während der Kontinentalsperre
hatten die deutschen Regierungen die Zuckerproduktion
noch gefördert. Nun aber, nach den
napoleonischen Kriegen, mußten eine nach der
andern dieser des Zollschutzes und der Subventionierung
durch den Staat beraubten Zuckerfabriken
ihre Tore schließen.

Literatur

Wilhelm Stieda, Franz Karl Adiard und die Frühzeit der deutschon Zuckerindustrie
, in: Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften
, 1928.

Karl Ulrich, Die Frühgeschichte der Rübenzuckerfabrikation in Baden 1799
bis 1940, Sonderabdruck aus der Zeitschrift .Die Deutsche Zuckerindustrie
", Jahrgang 1936, Nr. 25 , 26 und 27.

Korrespondenz der Gemeindeverwaltung Bad Krozingen mit Karl Ulrich,
Gemeindearchiv Bad Krozingen.

Emil Baader:

Das Schöllkraut

Albrecht Dürer malte mit einer Naturtreue
wie kein anderer Meister, nicht nur den Veilchenstrauß
und das Rasenstück, die Akelei und
das Liebstöckel, sondern auch das — Schöllkraut.
Er hat dadurch dieses „Unkraut" geadelt. Er sah
und malte die zart gefiederten Blätter, die Pracht
der gelben Blüte.

Auf Schuttplätzen und auf Mauern, an Wegen
und Zäunen blüht das Schöllkraut, solange die
Schwalben bei uns weilen. Deshalb heißt diese
Pflanze von altersher auch Schwalbenwurz.
Schon der griechische Arzt Dioskurides, der um
das Jahr 50 nach Chr. lebte, schreibt in seiner
Arzneimittellehre, die während des ganzen Mittelalters
und auch später noch im Abend- und
Morgenland als eine Hauptquelle für Botanik
galt, über das Schöllkraut: „Diese Pflanze blüht
zu der Zeit, in der die Schwalben wiederkommen,
und welkt, wenn sie fortfliegen".

In der Volksheilkunde wurde das Schöllkraut
wegen seines gelben Saftes nach dem Grundsatz

Zuckerhutform aus der früheren Zuckerfabrik in Bad Krozingen
Foto: G. Geiger

„Gleiches wird mit Gleichem vertrieben" gegen
die Gelbsucht verwendet. Hieronymus Bock, der
aus Heidersbach im Odenwald gebürtige Botaniker
, schreibt in seinem Kräuter buch: „Schöll-
wurz mit Änissamen in weißem Wein gesotten
und getrunken vertreibt die Gälsucht". Der
ätzende gelbe Saft wird heute noch gegen die
Warzen verwendet. Deshalb nennt das Volk
unsere Pflanze auch Warzenkraut.

Merkwürdiges ist über den Samen des Schöllkrautes
zu berichten. Die Samenkörner sind
schwarz und besitzen einen kammartigen, weißen
und fleischigen Anhang; dieser wird gern von
Ameisen verzehrt und verschleppt. Man kann
längs der Ameisenwege oft ganze Anhäufungen
der kahlgefressenen Schöllkrautsamen finden. Sie
keimen dann weit entfernt von der Mutterpflanze
. Unser Kräutlein zählt zur Familie der
Mohngewächse.

Das Original von Dürers Schöllkrautbüd befindet
sich in Wien. Tausendfach blüht es jetzt an
Mauern, Wegrändern und Zäunen.

2luö Slut: unb (ütarten

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