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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1963-04/0006
Wohl seines Territoriums förderte. Aus allen seinen
Regierungshandlungen erkennt man die
kluge Politik Rudolfs, um den das Volk bei seinem
Tode 1428 „wie umb einen Vatter" trauerte.
In der Grabkapelle der Röttier Kirche ruhen er
und seine Gemahlin Anna von Freiburg unter
den schönen gotischen Grabplatten, die beide
Persönlichkeiten darstellen. Rudolf III., Lörrachs
Landesherr, erweiterte in den Jahren 1384 und
1397 die Burg Rötteln, indem er die untere Burg,
die sog. Vorburg, baute, in der später die Regierungsämter
untergebracht wurden. Ferner erneuerte
er im Jahre 1401 die Röttier Kirche, die
er zum Sitz der geistlichen Verwaltung seiner
Markgrafschaft machte. Aus dem reichen Kirchenfonds
dieser Kirche konnten später die Röttier
Latein- und Kapitelschule und das daraus
entwickelte Lörracher Pädagogium finanziert
werden. Der weitsichtige Politiker Rudolf schloß
lerner 1407 ein Bündnis mit Basel, in dem die
gegenseitige Unterstützung in einem Umkreis
von 10 Meilen vereinbart wurde, und regelte
durch einen Staatsvertrag mit der Stadt Basel
das Wasserrecht am damaligen Lörracher Mühlenkanal
, dem heutigen Gewerbekanal, der einst,
wie heute, am Tumringer Wuhr von der Wiese
abzweigte und dem Hochgestade entlang nach
Lörrach—Stetten—Riehen und Basel floß.

Markgraf Rudolf III. von Hachberg - Sausenberg
war es auch, der die günstige Verkehrslage
seines bis dahin unbedeutenden Dorfes Lörrach
zu dessen und seinem eigenen Vorteil entsprechend
auszuwerten beschloß. Er erbat vom Deutschen
König Ruprecht das Marktrecht für Lörrach
. Durch Urkunde vom 26. Januar 1403 wurde
ein Jahrmarkt auf den Mittwoch vor St. Michael
(29. September) festgelegt und dazu noch ein
Wochenmarkt am Mittwoch. Kaiser Friedrich III.
bestätigte 1452 diese Verfügungen. In jene Jahre
fällt auch die Geburtsstunde des Territoriums,
das man als das „Markgräflerland" bezeichnet,
denn am 8. September 1444 war auch noch die
Herrschaft Badenweiler durch Schenkung des
letzten Grafen von Freiburg an die Markgrafschaft
Hachberg-Sausenberg-Rötteln gekommen.
So war ein einheitlich geschlossenes Gebiet erwachsen
, dessen Verwaltungssitz in rechtlicher,
fiskalischer, militärischer und kirchlicher Hinsicht
sich auf der Rötteler Burg befand, bis die
Franzosen dieselbe 1678 in Schutt und Asche
legten.

Im Jahre 1503 starb Markgraf Philipp von
Hachberg-Sausenberg in fremden burgundischen
Diensten. Um den Anfall ihres Landes an das
welsche Burgund zu verhindern, nahmen die
Bauern Besitz von den Burgen Rötteln, Sausenburg
und Badenweiler für den erbberechtigten
Markgrafen Christof von Baden. 4—5000 Mann
standen am 24. September 1503 auf dem Feld bei
Tannenkirch, um ihm zu huldigen, nachdem er
ihnen die alten Rechte bestätigt hatte. So gehörte
denn auch Lörrach in Zukunft zu der neugeschaffenen
Markgrafschaft Baden-Durlach.

Hatten die Markgräfler Bauern sich 1503 tatkräftig
und eigenwillig für ihren rechtmäßigen
Herrn und ihre Rechte eingesetzt, so waren sie

schon 60 Jahre früher mit Sensen und Spießen
ohne Wissen und Aufruf ihres Fürsten zusammen
mit Bauern aus dem Elsaß und dem
Schwarzwald nach Rheinfelden gezogen, um zusammen
mit den Eidgenossen die plündernden
französischen Söldnertruppen, die „Schinder"
und „Kehlenschnider" der Armagnaken abzuwehren
. Und wieder erhoben sich die Bauern
1525 im Markgräflerland, erstürmten die Schlösser
Rötteln, Sausenburg und Badenweiler im
Zeichen des „Bundschuhs", vernichteten Akten
und Zinsregister und konnten doch das Joch, das
ihnen die Leibeigenschaft auferlegte, nicht lokkern
. Im Ort Lörrach brachte erst die Stadtrechtsverleihung
vom 3. Juni 1756 die endgültige
Aufhebung der Leibeigenschaft und die Befreiung
von den Fronden mit Ausnahme der Gemeindefronden
.

Grenzlande sind bei kriegerischen Verwicklungen
in besonderem Maße gefährdet, sei es
durch Raub und Brandschatzung plündernder
Truppen — 1633 hatte Lörrach unter spanischen
Truppen zu leiden, 1638 unter schwedischen —
sei es durch Hungersnot und durch Seuchen, die
von den Soldaten eingeschleppt werden. Furchtbar
wütete die Pest 1629 und wieder 1634 im
Wiesental. 1645 zählte das Dorf Lörrach nur noch
454 Einwohner. Kaum war die Schreckenszeit
des Dreißigjährigen Krieges vorbei, so wurden
die Oberrheinlande und mit ihnen das Markgräflerland
durch die jahrzehntelangen Eroberungskriege
Ludwigs XIV. in Mitleidenschaft
gezogen. Mit der Zerstörung der Burg Rötteln
wurde der Verwaltungssitz des Landes vernichtet
. Für die Ämter, welche hier untergebracht
waren, mußte eine neue Unterkunft gefunden
werden. Nach einigen Provisorien entschloß sich
die markgräfliche Regierung, das Dorf Lörrach
dafür zu wählen... und so begann denn mit dem
Untergang Röttelns der Aufstieg Lörrachs. Auf
Vorschlag des Landvogts von Gemmingen verlieh
am 18. November 1682 Markgraf Friedrich
Magnus Lörrach das Stadtrecht und stellte am
12. April 1683 einen entsprechenden Privilegienbrief
für das neue Stadtwesen aus, wodurch eine
hoffnungsvolle Periode des Bauens und Planens
begann. Die ständigen Kriege Ludwigs XIV.
haben es dann allerdings verhindert, daß alle
Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, die sich damals
für eine neue markgräfliche Residenz in
Lörrach boten. Als Markgraf Friedrich Magnus
seine Reise in die „oberen Lande" antrat, um
sich selbst von den verheerenden Folgen der
langen Kriegsjahre zu überzeugen und die Möglichkeiten
zu prüfen, die sich für die junge Stadt
als Vorort des Wiesentales vor den Toren Basels
ergaben, lagen weitreichende Pläne vor, die eine
grundlegende Neugestaltung des Ortes im barok-
ken Stilgefühl vorsahen. Großzügige Regierungsbauten
sollten errichtet werden, eine Mauer mit
Türmen und Toren sollte die Stadt umziehen,
neue Wohnhäuser sollten nach bestimmtem Modell
aufgeführt werden; sogar ein Schloß wollte
sich der Markgraf bauen und einen großen Park
anlegen lassen. 1686 wurde als erster Bürgermeister
von Lörrach ein Enkel des Landschrei-

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