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hunderte waren gekennzeichnet durch eine lebhafte
Bautätigkeit der Adelsgeschlechter und
reichen Handelsherren, so daß Freiburg mit seinen
Stadtpalästen und repräsentativen Bürgerhäusern
sein Gepräge erhielt.
Neben dem Alten entstand jedoch im letzten
Jahrzehnt auch die neue Stadt, die sich mehr und
mehr nach Westen ausdehnt und eine echte
Großstadt zu werden verspricht. Wer heute von
der Höhe auf die Stadt niederschaut, entdeckt
eine neue Silhouette: Hochbauten, breit angelegte
Zweckbauten verbinden sich mit den aufragenden
Türmen und Toren der alten Schwarzwaldmetropole
. Aber gerade in der Verbindung des
Alten und Neuen liegt ein besonderer Reiz, denn
hier begegnen sich die Zeiten und wir uns selbst.
Paul Stintzi:
1. Fortsetzung.
IL
St. Ludwig
1. Das Klösterlein Michelfelden
Wenn man von St. Ludwig (St. Louis) spricht,
so muß man zunächst von dem ältesten Teil dieser
zur Stadt gewordenen Siedlung einen kurzen
Überblick geben, von Michelfelden. Eine Gruppe
von Bauernhöfen, ehedem ein Weiler, der heute,
durch moderne Wohnbauten vergrößert, in der
Stadt aufgegangen ist. Michelfelden liegt unterhalb
St. Ludwig, in Richtung St. Louis - la -
Chaussee (St. Ludwig - Neuweg).
Im Jahre 1252 beriefen Ulrich, Graf von Pfirt,
und sein Bruder, Berthold, Bischof von Basel,
Zisterzienserinnen aus dem schweizerischen Kloster
Tänikon nach Basel. Sie ließen sich beim
Spalentor außerhalb der Stadt nieder. Vier
Jahre später bestätigte Propst Fuko vom Großen
St. Bernhard die Abtretung eines Hauses und
eines Kirchleins zu Michelfelden den Schwestern,
die nun von Basel in das damals einsame Michelfelden
fern der Stadt Basel kamen. Das geschah
im Jahre 1259 unter der Führung der Äbtissin
Ida von Schönenberg.
Aber die Schwestern blieben nicht lange hier.
Oft überschwemmte der Rhein die ganze Gegend
und rief böses Fieber hervor. Deshalb sah sich
der Basler Bischof nach einem gesünderen Platz
um und fand ihn auch in Blotzheim am Fuß der
Sundgauhügel. So zogen die Schwestern 1268
nach Blotzheim, vergrößerten aber trotzdem
Michelfelden durch Käufe und Schenkungen und
übergaben es als Lehen einem Basler Bürger.
Schon bald kauften Beginen aus Basel das Klösterlein
Michelfelden und bewohnten ein noch
stehendes Haus bis um das Jahr 1400. Und nun
wechselte Michelfelden mehrfach den Besitzer,
kam 1516 durch Kauf an den Rat der Stadt Basel,
der Michelfelden bis 1798 besaß. Heute gehört
das Haus, ein prächtiger Meierhof, meistens
Wiedertäufern.
2. Eine Kapelle, ein Meierhof,
eine Zollstelle
Eine Zollstelle, eine halb zerfallene Kapelle,
ein Hof, die Post zum Wechseln der Pferde, —
das ist der Ursprung des heutigen St. Ludwig
(St. Louis). Später gab es hier noch zwei Wirtschaften
und ein Haus für die Tabakkontrolleure,
aber erst 1684 wurde durch königliche Ordonnanz
die Gemeinde St. Louis gebildet. Bewohner des
beim Bau der Feste Hüningen zerstörten Dorfes
Hüningen (Altdorf) hatten sich unterdessen hier
niedergelassen. Diese Siedlung lag zwischen der
heutigen kath. Kirche und dem Hotel Pfiffer, wo
auch die Häuser noch ziemlich bescheiden und
niedrig gebaut sind. Das Adlige Damenstift
Ottmarsheim, später die seigneurie (Herrschaft)
Landser hatten hier die herrschaftlichen Rechte.
Die Siedlung lag längs der bedeutenden Rheinstraße
Basel—Kembs, von der eine Straße in
Richtung Beifort abzweigte. St. Ludwig blieb bis
1793 eine Annexe von Neudorf. Die Kapelle
wurde 1751 durch den Postmeister Le Roux neu
errichtet, eine Kapelle zu Ehren des hl. Ludwig,
dessen Verehrung im Elsaß nach 1648 verbreitet
wurde (die meisten Festungskirchen waren Ludwigskirchen
). Erst 1843 erbaute man die jetzige
Kirche im damals üblichen „stillosen" Scheunenstil
, der erst nach dem letzten Krieg durch die
Barockisierung gemildert wurde. Erst 1827 wurde
die Pfarrei von jener von Neudorf getrennt und
selbständig.
Weil während der Revolution alles verpönt
war, das irgendwie an die Königszeit erinnern
konnte, so wurde St. Louis Bourglibre (freies
Städtlein) genannt. Der Name ist noch heute im
Sundgau und in der Basler Ecke bekannt und
geläufig.
St. Ludwig verdankt seine Entwicklung zur
Stadt verschiedenen Faktoren. Zunächst der
Straßenkreuzung Nord - Süd und Ost - West, die
oben bereits erwähnt wurde. Der Postverkehr
war auf beiden Straßen bis zum Bau der Bahnlinie
Straßiburg—Basel ganz bedeutend. Am 25.
Oktober 1840 wurde diese bis St. Ludwig eröffnet
. Dieses Städtlein war damit und dies bis
1844, bis zur Verlängerung nach Basel, Endstation
für Personen- und Güterverkehr, blieb
auch bis zum heutigen Tag die letzte elsässische
Station der beiden Hauptlinien Paris—Basel und
Straßburg—Basel. Es liegt auf der Hand, daß
diese Lage die Niederlassung bedeutender Transport
-Unternehmen förderte. 1878 wurde St. Ludwig
durch eine Bahnlinie mit Hüningen und
Leopoldshöhe verbunden und während des ersten
Weltkrieges durch eine strategische Linie mit
Waldighofen und dem Illtal, die aber vor einigen
Jahren als „unrentabel" unterdrückt wurde.
Krupp, der das Schienenmaterial geliefert hatte,
kaufte dieses wieder auf. Heute ist St. Ludwig
oder vielmehr die Zollstelle am Lysbüchel Aus-
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