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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/markgrafschaft-1965-04/0018
michs im Gange. In einer der Gipsgruben sollen
Steinsalz-Kristalle im Gips gefunden worden
sein. Nördlich des Kandertales, am Fuße des
Eichbuck, also unmittelbar an der Graben-Randverwerfung
, trat eine glaubersalzhaltige Quelle
aus, die sich aber während des Nachgrabens in
die Tiefe verlor.

In solcher Umgebung vermeinte Kümmich
Erfolg zu haben; freilich wies er darauf hin, daß
ein Risiko in solchen Unternehmungen immer
enthalten sei. Er wisse wohl, was von „denen
Tatomondaten" (Rutengänger) zu halten sei, die
stets ganz zuversichtlich von solchen Sachen
sprechen. Er selbst ging streng wissenschaftlich
vor, indem er aus einem Schichtfallen von etwa
60 Grad den Ansatzpunkt berechnete, von dem
aus man mit einer Bohrung die jüngere Gipsformation
, also den Keupergips, in etwa 105 m
erreichen müsse, und mit ihm, so hoffte er, die
Sole. Er war besonders zuversichtlich, weil sich
bei der Bohrstelle auch „Alpenkalkstein" (Muschelkalk
) befand, in dessen Nachbarschaft bei
Jagstfeid und Wimpfen vor kurzem Steinsalz
erbohrt worden war.

Die Regierung ließ sich den von ihr finanzierten
Bohrversuch Kandern von Professor von
Langsdorf begutachten. Langsdorf schrieb am
7. Februar 1820 aus Richen, wo er gerade bohrte,
daß er von der Gegenwart eines Salzlagers im
dortigen Untergrund überzeugt sei, habe er doch
schon vor zehn Jahren auf die Gegend um Sulzburg
hingewiesen. Doch meinte er, daß Kümmich
etwas zu nahe am Urgebirge angesetzt habe; hier
könne das Salz entweder nicht abgelagert, oder
schon wieder ausgelaugt sein. „Ich sage das, um
zu helfen, denn hiermit glaube ich meine Pflicht
erfüllt zu haben. Es würde mir höchst schmerzhaft
sein, wenn ein so rechtschaffener und verdienstvoller
Staatsdiener durch den Erfolg auch
nur im mindesten gekränkt werden sollte".

Beim Abteufen stellten sich große Schwierigkeiten
ein, denn der in den oberen Teufen angetroffene
Kalkstein des Unteren Lias war sehr
hart. Ende Mai reiste Kümmich nach Vic, Dieuse
und Chäteau Salins, um die dortigen Salzbohrungen
zu studieren. Daß dort Steinsalz unter roten
Tonen und unter 100 Fuß mächtigen Gipsflösen
liegt, bestärkte ihn in der Hoffnung, auch in
Kandern fündig zu werden. „Bei dieser großen
Ähnlichkeit der Verhältnisse müßte die Natur
gegen uns mit Vorsatz gewesen sein, wenn unsere
Versuche mißglücken sollten".

Nach seiner Rückkehr wurde endlich der harte
Gryphitenkalk durchteuft und man traf rote Tone
an. Längst waren die zugestandenen Mittel verbraucht
, so daß im September weitere 1500 Gulden
überwiesen werden mußten. Zwischen Tonen
und Mergeln waren immer wieder harte Kalkbänke
eingeschaltet, die wegen der steilen Lagerung
außerordentliche Schwierigkeiten bereiteten
. Aber der Prospektor war voller Hoffnung.
„Jetzt sind wir eigentlich auf der rothen Thonbildung
, wo man in Vic zu bohren begonnen hat.
Dieses Geschäft fängt also erst jetzt an wichtig
zu werden. Bisher ist alles nach Erwarten eingetroffen
. Ich bin nicht mit der Stange im Nebel
herumgefahren".

Zum Jahresende 1820 war die Bohrung 97,8 m
tief; man hatte bereits Gipsspuren angetroffen.
Am 24. April 1821 berichtete Kümmich eine
Bohrtiefe von 112,5 m; man stand 3,5 m tief im
Gips. Nun häuften sich Gestängebrüche, die viel
Zeitverlust verursachten. Kurz nachdem im
November 1821 erneut 1500 Gulden überwiesen
worden waren, starb der Oberbergrat Kümmich
am 17. November 1821, ohne das E^de seines
Unternehmens erlebt zu haben.

Nun übernahm der in Kandern ansässige Hüttenverwalter
Hug die Aufsicht über das Bohrgeschäft
. Die Schwierigkeiten wurden infolge der
Schwere des Gestänges immer größer; man mußte
ein neues Wasserrad bauen und das Gestänge an
seiner stabileren Kette aufhängen. Am 17. Januar
1822 hatte man 3155 Gulden verbohrt. Um Ostern
stellten sich unter dem Gips dunkle Tone und
Kalksteine, offenbar dem Lettenkeuper angehörend
, ein. Schließlich wurde am 13. Mai 1822 auf
Befehl der „Wegen veränderter Einrichtung in
der künftigen Verwaltung des Salzregals angeordneten
Immediatkommission" die Bohrung
Kandern in 184 m Tiefe erfolglos eingestellt. Das
Bohrgerät wurde nach Dürrheim überführt, wo
sich Professor von Langsdorf am 11. Juli 1822 für
den Empfang bedankte. Auch der bei der Bohrung
beschäftigt gewesene Steiger Friedrich Heß
wurde nach Dürrheim beordert.

Nachträglich läßt sich die geologische Situation
klären. Die Bohrstelle liegt etwa hundert Meter
vom Blauengranit entfernt, also unmittelbar am
Rand des Oberrhein-Grabens. Da die Bohrung
im Lias angesetzt wurde, ist hier im Gegensatz
zu den Verhältnissen wenig weiter nördlich eine
Lias-Scholle zwischen eine Keuper- und eine
Braunjura-Scholle eingeschaltet. Die hohen erbohrten
Mächtigkeiten des Lias und Mittleren
Keupers zwingen zur Annahme einer außerordentlich
starken Schiefstellung, ja fast Saigerstellung
der Schichten. Dieses Tatsache könnte
die von Kümmig mehrfach erwähnten großen
Bohrschwierigkeiten in den oberen Teufen erklären
. Daß der normalerweise am südlichen
Oberrhein etwa 60 m mächtige Grundgips in
wahrer Mächtigkeit durchbohrt wurde, bezeugt
die Existenz einer Verwerfung am oberen Ende
des Gipses, die eine steilstehende obere von einer
nur mäßig geneigten unteren Scholle trennt.

Die Aussicht, hier Salz der Sole zu finden,
war sehr gering. Zwar deutet die gegenüber den
Bereichen östlich des Schwarzwaldes so hohe
Mächtigkeit des Grundgipses schon die Nähe des
Beckentiefsten an, aber Salzflöze im Mittleren
Keuper entstanden erst westlich des Rheins, in
Lothringen und Burgund. Auch wenn man mit
der Bohrung den Mittleren Muschelkalk erreicht
hätte, so wären wohl nur die Auslaugungs-Rück-
stände des Salzliagers angetroffen worden. Langsdorf
befürchtete dies auch; wenn er aber schreibt,
daß das Salzlager wohl niemals abgelagert worden
sei, so erhellt daraus, daß er die tektonische
Natur der Anlagerung des Flözgebirges an das
Kristallin nicht erkannt hatte.

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