Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 3366,go-1946/48
Le Messager du Rhin: Almanach pour 1946
Colmar, 1946.1945
Seite: 65
(PDF, 29 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia
Oberrheinische Kalender und Almanache

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/messager_rhin_1946/0071
LE MESSAGER DU RHIN

65

Mehrheit, gegen sechs Stimmen, war der Ansicht,
die Anordnung nicht auszuführen. Eine Abordnung
begab sich zum Grafen und trug die Beschwerde
vor, sie fügte hinzu, daß viele Männer es vorzögen
die Stadt zu verlassen eher als die Schmach
weiter zu ertragen. Wohl mag der Graf die Gerechtigkeit
der Klage erkannt haben, jedoch er
entließ die Männer ohne Bescheid. Da erfaßte sie
ein heiliger Zorn. Sie besetzten eines der Tore,
ergriffen ihre Waffen und die der Wache; eine
Abteilung rückte nach Lichtenberg, wo der Bruder
des Grafen wohnte. Derselbe versprach ihnen Hilfe
in einer gerechten Sache.

Inzwischen hatte Jakob die Tore schließen und
andere Mannschaften ausrücken lassen.

Die hinterlistige Bärbel drang in ihren Herrn,
er solle die Weiber und Kinder der Durchbrenner
hinausjagen und ihre Habe an sich ziehen.

Bald erfuhren die Frauen von den bösen Albsichten
und versammelten sich in einem Hause auf
dem Kornmarkt; sie schwuren einen gegenseitigen
Treueid, wonach sie sich mit Haut und Haar verteidigen
wollten.

Laut Weisung ging der gräfliche Amtmann von
Haus zu Haus, um die Weiber und Kinder zur
Flucht aufzufordern. Da liefen die Frauen zusammen
, brachten Bratspieß, Heugabeln, Kolben, Axt,
kurz, was ihnen gerade in die Hände fiel, mit und
begannen so den wilden Angriff. In der Überrumpelung
trieben sie die Dirne mit ihren Helfern und
feigen Burgknechten in die Burg.

Dieses Zwischenspiel gestattete Ludwig, dem
Bruder des Grafen, mit seinen Getreuen anzurük-
ken. Seine Kriegsknechte, die Buchsweiler Bürger
und verschiedene Geschütze bezwangen in kurzer
Zeit das schlimme Häuflein. Die beiden Brüder
versöhnten sich, die lasterhafte Bärbel mußte gen
Hagenau ziehen und die armen Buchsweiler erfreuten
sich wieder ihrer hergebrachten Rechte. (J.
Friese)

Während des Bauernkrieges taten auch Frauen
sich hervor. Im September 1 525, als Wattweiler
schwer bedrängt wurde, stiegen Frauen auf die
Wälle und schleuderten Steine auf die angreifenden
Bauern. Eine mutige Frau, die die Aufforderung
zur Übergabe im Namen des Bauernhauptmanns
überbrachte, wurde kalt angewiesen. — Aus
den Ortschaften Wcellenheim, Willgottheim, Wintzenheim
, Küttolsheim und Neugartheim fand sich
ein Dutzend unternehmungslustiger Frauen, die
mit 20 Wagen voll kleiner Kinder nach Zabcrn
fuhren und beim Chef der lothringischen Armee
Gnade für ihre rebellischen Männer erbettelten.
Wenn dieser Bittgang auch ohne Erfolg blieb, so
gebührt den wackern Müttern dennoch alle
Achtung.

Kurz vor der Großen Revolution, im Jahre 1744,
während des Österreichischen Erbfolgekrieges stießen
die Österreicher ins Elsaß vor und verheerten
besonders die Gegend von Pfaffenhofen und Za-
bern. Es war der «Pandurenlärm». Die Bauern
bewaffneten sich mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln und widersetzten sich dem Feind. Mit
rasender Wut standen ihnen die Frauen zur Seite,
warfen den Soldaten Sand und Asche in die Augen
und begossen sie mit siedendem Wasser.

Gegen den Einwurf, dies Alles liege weit zurück,
bringen wir ein Beispiel aus der Neuzeit. Nach
dem Sturz des ersten Kaiserreichs schwuren junge
Mädchen bei einem Feste zu Ehren des Generals
Rapp in Mülhausen, daß sie als Ehegatten nur Männer
heiraten würden, die für das Land gekämpft
hatten. (Hingelin)

Wer kennt all die stillen Heldinnen des Krieges
1914-1918 und 1939-1945?

Charles Wittmer

Die Weiber von Rufach


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/messager_rhin_1946/0071