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ſich doch nicht uͤber ihre Verhaͤltniſſe und Umgebungen zu
erheben vermoͤgen: denen es aber auch an Beharrlichkeit und
Ausdauer nicht fehlt, die eben deshalb Zeit und Thaͤtigkeit
ſorgſam zuſammenhalten, um doch in einem kleinen Kreiſe
wohlthaͤtig zu wirken; die endlich noch, was vielleicht das
Schwerſte iſt, Freunde Gottes und der Menſchen bleiben, und
mit liebevollem Gemuͤthe Andern jene Bahn zu erleichtern
ſuchen, welche ſie mit ſo großer Anſtrengung und Aufopferung
zuruͤckgelegt haben. Zu dieſen nicht gewoͤhnlichen Menſchen,
welche, von Armuth und Leiden groß gezogen, dennoch ihrer
beſſern Natur in jeder Beziehung treu bleiben, und, wenn
nur langſam und ohne Geraͤuſch, dennoch unermuͤdet und fuͤr
lange Dauer wirkſam ſind; gehoͤrt auch Joſeph Lukas
Meyer, Decan und Pfarrer zu Gurtweil.
Joſeph Meyer wurde den Sten Jaͤnner 1774 in dem
Holzſchlage zu Guͤndelwangen, einem Dorfe der vor—
maligen St. Blaſiſchen Reichsherrſchaft Bonndorf geboren.
Seine Eltern, welche in einem abgelegenen Haͤuschen (dem
ſogenannten Auerhaͤuschen) lebten; waren ſo arm und zugleich
mit Kindern ſo uͤberladen, daß ſie fuͤr ſeine Erziehung nichts
zu thun vermochten. Sie erlaubten zwar dem lernbegierigen
Knaben, im Spaͤtjahr 1781, die ziemlich entfernte Schule
des Dorfes Boll zu beſuchen; nahmen ihn aber bald wieder
aus derſelben, und trugen ihm auf, das Vieh zu huͤten. So
war er, wohl zu ſeinem Gluͤcke, meiſtens auf ſich ſelbſt und
die großartigen Eindruͤcke der ihn umgebenden Natur beſchraͤnkt.
Er huͤtete ſeine kleine Heerde auf einem der hoͤchſten und
zugleich romantiſch-ſchoͤnſten Punkte des Schwarzwaldes;
an dem Ufer des Schluchſees naͤmlich, aus welchem die wilde
Schwarzach hervorſtuͤrzt, und in deſſen Hintergrunde ſich der
gewaltige Feldberg in ungeheuern Maſſen zu den Wolken
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