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bertina, welche ſeit Jahrbunderten das freundliche Frei—
burg zu einem Sitze der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften erhebt.
Aber auch hier war ſeines Bleibens nicht lange, obgleich er
bald eine Unterſtuͤtzung durch ein Stipendium erhielt; und er
faßte ſchon (1793) den Entſchluß, die Univerſitaͤt Salzburg
zu beſuchen, als ihm jetzt unerwartet dasjenige von freien
Stuͤcken angetragen wurde, um was er wenig Jahre zuvor
vergeblich nachgeſucht hatte, naͤmlich die Aufnahme in das
Reichſtift St. Blaſien. Meyer befand ſich jetzt nicht mehr
in derſelben Stimmung wie fruͤher; ſein Geſichtskreis hatte
ſich bedeutend erweitert. Er hatte die Vortraͤge beruͤhmter
und freiſinniger Maͤnner, wie Ruef, Sauter, Jakobi
und Anderer gehoͤrt; und dieſe waren ganz geeignet, ihm
uͤber das Kloſterleben, das ihm ſo einladend vorſchwebte,
die Augen zu oͤffnen. Dennoch taͤuſchte ihn, als es auf
die Entſcheidung ankam, ſeine noch immer vorherrſchende
ideale Anſicht und ſeine Begeiſterung fuͤr die Studien. Er
ſah, wie in St. Blaſien die Gelehrſamkeit bluͤhte, kannte
die Bibliothek und das Archiv als eine reiche Quelle lebens⸗
langer Studien; und hoͤrte die Namen der Geſchichtforſcher
Herrgott, Gerbert, Neugart, Eichhorn, Uſſer—⸗—
mann u. ſ. w. allenthalben mit Achtung nennen. Nicht
minder zog ihn die Verſchiedenheit der Lebensweiſen in die⸗
ſem Stifte an. Hier wurde damals kein Moͤnch zeitlebens
in eine oͤde Zelle begraben, ſondern jeder konnte nach Luſt
und Kraͤften wirkſam ſeyn. Einige dienten dem Chore, An—
dere waren als Lehrer an niedern und hohen Schulen aus—
waͤrts, z. B. in Konſtanz, Freiburg, Salzburg u.
ſ. w. angeſtellt; wieder Andere beſchaͤftigten ſich als Gelehrte
in ſtiller Zuruͤckgezogenheit, oder beſorgten die ihnen anver⸗
trauten Pfarreien; betagte Maͤnner genoſſen endlich auf er⸗
giebigen Probſteien einer unangefochtenen Ruhe. So uͤber⸗
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