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— XI —
redete ſich der bedraͤngte junge Mann nur zu leicht, hier eine
ſichere Staͤtte zu finden, wo er, frei von Nahrungsſorgen,
ganz ſeinen Lieblingsſtudien leben koͤnnte.
Er trat alſo im Herbſte 1793 in das Kloſter, und legte
zwei Jahre darauf (22. Febr. 1795) die Ordensgeluͤbde un⸗
ter dem Namen Lukas ab. Allein er fand nach und nach
das Kloſterleben ganz anders, als er es ſich vorgeſtellt hatte.
Hier haͤngt naͤmlich Alles von der Perſoͤnlichkeit des Vor—
ſtehers ab, deſſen Leitung der Verein uͤbergeben iſt; welcher
daher auch dieſen entweder mit lebendigem Eifer fuͤr alles Gute
und Schoͤne durchdringen, oder allen regen und wiſſenſchaft—
lichen Sinn voͤllig und oft augenblicklich erſticken kann. Meyer
trat zu einer ungluͤcklichen Stunde in das Kloſter, denn kurz
zuvor war der Abt Martin Gerbert, der Gruͤnder ſeines
bleibenden Ruhms, geſtorben; und ſeine Nachfolger waren
keineswegs im Stande, das Stift auf der bisher behaupte⸗
ten Hoͤhe wiſſenſchaftlicher Bildung und Leiſtungen zu erhal⸗
ten. Zwar hatte man in dem naͤchſten Abte Moritz I. einen
eben ſo gebildeten als menſchenfreundlichen Mann genaͤhlt;
allein er brachte den groͤßten Theil der Zeit in Angelegenhei⸗—
ten ſeines Stifts am kaiſerlichen Hofe zu Wien zu, bekuͤm⸗
merte ſich wenig um das innere Leben des Kloſters, und
uͤberließ deſſen Leitung beinahe unbeſchraͤnkt den uͤbrigen Vor⸗
geſetzten. Dieſe fingen nun an, den Gelehrten die zu ihren
Arbeiten bisher gegoͤnnte Zeit zu verſagen, und noͤthigten ſie,
dieſelbe im Ehore oder in Elementarſchulen zuzubringen.
Die kleinliche Mißgunſt und die leidige Sucht, ohne Verdienſt
durch bloße Namen und Kloſteraͤmtchen ſich geltend zu ma—
chen; verſcheuchte nach und nach die Muſen voͤllig aus den
Hallen, in welchen ſie einige Zeit wohlwollende Aufnahme
gefunden hatten. Der engherzige und zuruͤckſtoßende Moͤnchs⸗
geiſt nahm von Tag zu Tag mehr uͤberhand; und niemand
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