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— XII —
fuͤhlte dieſes Unheil ſchmerzlicher, als unſer juͤngſter Con⸗
ventuale, welcher jetzt ein Leben voll Entbehrung und De⸗
muͤthigung vor ſich ſah. Er konnte ſich nicht enthalten, die⸗
ſes Mißgefuͤhl, wenn auch nur leiſe, in einem Brieſe an ei⸗
nen bewaͤhrten Univerſitaͤts⸗-Freund zu Wien auszudruͤcken:
„Ich habe,“ ſchrieb er ihm, „in meinem Streben nach Wiſ⸗
ſenſchaften einen Fehltritt gemacht, welcher ſich nicht mehr
zuruͤcknehmen laͤßt. Das Kloſter iſt der Muſenſitz nicht mehr,
welchen ich darin zu finden hoffte.“. Der Brief kam, anſtatt
an den Freund, in die Haͤnde des Kloſter-Decans, welcher
ihn erbrach, und uͤber den unngluͤcklichen Verfaſſer ſchwere
Strafe verfuͤgte. Man ſonderte ihn von den uͤbrigen Con⸗
ventualen ab, wies ihm bei Tiſch die unterſte Stelle an; und
noͤthigte ihn, Monate lang des ſuͤßen Morgenſchlafes zu
entbehren, und die Fruͤhmette zu beſuchen. Sogar ſpaͤter,
als ihm in freien Stunden der Garten wieder offen ſtand,
huͤteten ſich die Meiſten, dem Geaͤchteten nahe zu kommen,
um den Obern nicht mißfaͤllig zu werden. Er ſah ſich genoͤthigt,
den Umgang und den Wechſelverkehr, welchen ihm die Men⸗
ſchen verſagten, bei den Inſecten zu ſuchen. Stundenlaug
verweilte er bei dem Netze einer Spinne, oder bei einem
Ameiſenhaufen, deſſen geſchaͤftige Bewohner er auf ihren klei⸗—
nen Kreuz- und Querzuͤgen begleitet. Was aber den jun—
gen Mann am meiſten ſchmerzte, war, daß man ihm unter
dem Vorwande, „er ſei ein ſchwaͤcheres Subject,“ das
Studium der franzoͤſiſchen und italieniſchen Sprache fortzu⸗
ſetzen unterſagte, und ihm die Bibliothek geradezu verſchloß.
Nur durch eine dritte Hand konnte er von daher biswei—
len ein Buch bekommen. Die griechiſch?k Sprache und An⸗
fangsgruͤnde der hebraͤiſchen eignete er ſich, unter Mitwirkung
eines wohlwollenden Freundes, durch Privatfleiß an. End⸗
lich erhielt er, nachdem er auch den theologiſchen Curs
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