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— XIXI —
falls bei Waldshut, verſetzt. Dieſer Ort hat eine unge⸗
mein ſchoͤne Lage am Fuße des Gebirges unfern vom Rheine,
und iſt nicht ungeeignet, fuͤr einen langjaͤhrigen Dulder zum
Aſyle zu werden. Meyer fand hier auch wirklich noch
einige Entſchaͤdigung fuͤr die unausgeſetzten Muͤhen und Be—
draͤngniſſe ſeines Lebens, aber erſt im Verlauf der Jahre; denn
die erſte Zeit ſeines Aufenthalts war fuͤr ihn hoͤchſt druͤckend.
Das Nervenfieber ſchwang naͤmlich damals ſeine furchtbare
Geißel uͤber das Land und beſonders uͤber diejenigen Orte,
in welchen Oeſterreichiſche und Ruſſiſche Militaͤrhoſpitaͤler er—
richtet waren. Dieſes Loos hatte auch Gurtweil getroffen,
welches dadurch von der Umgegend gewiſſermaſſen abgeſchnit⸗
ten, und der Willkuͤhr der Soldaten preisgegeben war. Der
Kommandant quartirte ſich bei dem neuaufgezogenen Pfarrer
ein, behandelte ihn ſogleich auf das roheſte; und drohte ihm
den Kopf zu ſpalten, wenn er nicht auch die ſeelſorgerlichen
Verrichtungen in dem Hoſpital uͤbernehmen wuͤrde. Die Buͤr⸗
ger des Ortes waren genoͤthigt, abwechſelnd die kranken Sol⸗
daten zu beſorgen. Auf ſolche Weiſe verbreitete ſich die Krank⸗
heit auch im Dorfe, und raffte eine Menge Menſchen hinweg.
Der Kommandant ſelbſt wurde davon ergriffen; doch der un⸗
ermuͤdeten Sorgfalt des Pfarrers und der Seinigen gelang es,
ihn zu retten. Neun Monate lang waͤhrte der Druck und die
Gefahr, beide in der Abgeſchiedenheit eines Dorfes doppelt fuͤhl-
bar. Dann wurde das Hoſpital wieder aufgehoben, und der
Kommandant ſchied mit Thraͤnen der Ruͤhrung und des Dan⸗
kes von dem Manne, dem er ſich mit Verwuͤnſchungen ge⸗
naͤhert hatte. Im Jahre 1815 kehrten dieſelben Leiden des
Krieges, doch in vermindertem Maaße zuruͤck.
legte er mir bei Gelegenheitsreden in den Mund, was er
wünſchte, daß geſagt werden möchte, und um das Vertrauen
nicht zu verletzen, nicht gern ſelbſt ſagte; was ich freudig that.“
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