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ſie verpflanzt wird. Bei Meyer war es nicht der Fall;
Moͤnchsvorurtheile hingen ihm nicht an. Er haßte vielmehr
das Moͤnchthum aus tiefſtem Herzensgrunde, und fuͤrchtete
ſich vor demſelben. Die Auffoderung, in das Kloſter zu—
ruͤckzukehren, wuͤrde ihm wie ein Todesurtheil geklungen ha—
ben. Auch vor der Uebermacht des Pabſtes auf deutſchem
Boden, ſcheute er ſich, wie vor einem Geſpenſte; wobei al—
lerdings ſeine Kraͤnklichkeit großen Einfluß haben mochte.
Oft wurde es ihm ſo unheimlich, als kaͤmen ſchon die
Schreckensmaͤnner der Inquiſition, und wollten ihn ergreifen,
weil auch er in das ihnen verhaßte Archiv Beitraͤge geliefert
hatte. Uebrigens ſuchte er ſeine Ueberzeugung ebenſo wenig
Andern aufzudringen, als er an der Ueberzeugung Anderer
ruͤttelte, und (wenn ſie nicht offenbar moraliſch ſchaͤdlich war)
Zweifel dagegen erhob. Er wußte wohl, daß gewoͤhnliche
Menſchen, beſonders durch ploͤtzliche Vernichtung lang geheg⸗
ter Anſichten, nur unruhig und gegen jede Wahrheit miß⸗
traniſch oder ganz uͤberzeugungs- und charakterlos werden;
indem ſie, aus der angewoͤhnten Ideenreihe herausgeriſſen,
in die fremde und unterſchobene ſich nicht zu finden vermoͤ—
gen. Proſelytenmacherei war darum auch ſeine Sache nicht.
Als Glied der Kirche und des Staates gehoͤrte er zu den
Freiſinnigen; er verwarf jede Maaßregel, wodurch man der
Freiheit eines Menſchen zu nahe trat, und haßte Willkuͤhr
und Deſpotie. Als ihm daher auch hoͤhern Ortes die Wei⸗
ſung zukam, einem benachbarten Vicar in deſſen Abweſenheit
das Schreibpult zu erbrechen, und verdaͤchtige Briefe weg—
zunehmen, welche man daſelbſt vermuthete; lehnte er dieſen
Auftrag entſchieden ab, und druͤckte zugleich ſeinen Schmerz
aus, daß man ihm ein, nach ſeinen Begriffen ſo unwuͤrdi⸗
ges Anſinnen machen konnte.
Im Umgang mit Andern, welche bei weitem keinen Ver⸗
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