http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0029
— 2 —
durch ſeine geiſtlichen und weltlichen Amtleute, in Beiſein
des Waldvogtes und der zwoͤlf gewoͤhnlichen Richter vom
Waldvolke. Man begann die Verhandlung indem man den
Dingrodel, der im Jahre 1467 mit beiderſeitiger Zuſtimmung
verfaßt worden war, als die Grundlage des Gerichts, vorzu—
leſen anfieng. Allein ſogleich erhob ſich ein Mann dagegen,
welcher von nun an die Hauptſtuͤtze aller Unzufriedenen iſt,
und ſich zum Stifter ihres Bundes aufwirft, naͤmlich Fridolin
Albiez, damals Einungsmeiſter zu Birdorf: „der Ding⸗
rodel ſei, ſo behauptete er, verjaͤhrt, und durch die Gnade
der Kaiſer abgethan; denn Leopold I. habe 1704 die, Leibeigen⸗
ſchaft fuͤr die Einung aufgehoben, dieſe Gnade haͤtten JoſepbI.
und Karl VI. neuerdings beſtaͤtigt. Hiemit wolle er die Land⸗
ſchaft gegen St. Blaſiens Anſpruͤche verwahrt wiſſen.“
Vergebens gab der Waldvogt die Aufklaͤrung dahin: „es
handle ſich hier nicht um das abgeſchaffte Wort Leibeigen⸗
ſchaft, ſondern um die damit verbundenen, von den Kaiſern
ſelbſt als rechtskraͤftig anerkannten und deßhalb noch fortbe⸗
ſtehenden Gebuͤhren und Schuldigkeiten;“ der Redner war nicht
mehr zur Ruhe zu bringen, und ſeine Aufregung theilte ſich
ſchnell der Verſammlung mit, welche unter wildem Getoͤſe aus⸗
einander gieng. Von dieſer Zeit an wurde kein Dinggericht
mehr gehalten; dagegen ſuchte St. Blaſien auf einem andern
Wege zu ſeinem Zwecke zu gelangen.
Die Beſchaffenheit der Leibeigenſchaftsgefaͤlle verlangte naͤm⸗
lich eine genaue Verzeichnung der Ehen, ihrer Kinder, der Ent⸗
laſſenen, Ungenoſſamen, derjenigen Freien, welche auf Kloſter⸗
guͤtern lebten, und der Unfreien, welche anderswohin gezogen
waren. Abt Blaſius III. ließ unter Genehmigung der Re⸗
gierung, vom 8. Jaͤnner 1725 an, eine ſolche Verzeichnung in
den verſchiedenen Theilen der Grafſchaft Hauenſtein vorneh⸗
men. An einigen Orten gieng ſie ohne Hinderniſſe vor ſich, an
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0029