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andern fand ſie heftigen Widerſpruch. So erhob ſich eines
Tages ein Buͤrger von Alpenſchwand, Fridolin Gerſpach
mit der Frage: „Vor allem moͤchte er wiſſen, wer die Fallbar⸗
keit (ein ſehr druͤckendes Gefaͤll der Leibeigenſchaft) aufgebracht
habe; ob Gott, Menſchen oder der Teufel. Komme ſi ſie von
Gott, ſo ſei er zufrieden; komme ſie aber von Jemand anderm,
ſo werde es dieſer zu bereuen haben.“ Obgleich man von Seite
der Obrigkeit uͤber dieſe und andere derartige Aeußerungen
hinwegzuſehen ſchien; ſo verfehlten ſie doch nicht, bei dem
Volke den groͤßten Eindruck zu machen, und die bisherige Span⸗
nung noch mehr zu ſteigern. Dieſe gieng nun auch zwiſchen
den Freien und Unfreien in das taͤgliche Leben uͤber, ſo zwar,
daß ſogar die Kinder der Freien in den Doͤrfern zuſammenhiel⸗
ten, und jene der Unfreien von den gemeinſamen Spielplaͤtzen
mit den Worten zuruͤckwieſen: „Ihr ſeid Stifteigene, wir ſen ind
frei; fort von uns!“ Da flohen die geſchmaͤhten Kinder ünd
ergoſſen ihre Thraͤnen in den Schoos der gekraͤnkten Eltern,
welche ihre Lage doppelt ſchmerzlich fuͤhlten.
Unter dieſen Umſtaͤnden trat derjenige Mann auf, der
bereits im Obigen als Bundeshaupt genannt wurde, und mit
deſſen Verhaͤltniſſen wir uns jetzt naͤher bekannt zu machen haben.
Johann Fridolin Albiez zu Buch im Pfarrſprengel
Birdorf, als Unfreier geboren, war der Sohn eines mittel⸗
maͤßig beguͤterten Bauers. Dem Knaben praͤgte ſeine Groß⸗
mutter, eine Schweizerin, fruͤh den lebhafteſten Haß gegen
jede Herrſchaft ein. Er wurde Erbe des vaͤterlichen Gutes,
und pflanzte als ſolcher den Stamm fort. Neben ſeiner Be⸗
ſchaͤftigung mit dem Feldbau gewann er den Salpeter inner⸗
halb des ganzen Einungsbundes, und hatte dadurch Gelegen⸗
heit mit jedem Einwohner Bekanntſchaft zu machen; ſo daß er
unter dem Namen „Salpeterhanns⸗ 6 7 allgemein gekannt
und geliebt war.
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