http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0032
— 3 —
Schlichtung ſchwieriger Geſchaͤfte oͤſtreichiſcher Beamten bedient.
Allein Kraft der Verjaͤhrung habe ſich Oeſterreich nach und
nach das Recht herausgenommen, Waldvoͤgte zu ſetzen, welche
fruͤher von dem Lande nach Gutbefinden gewaͤhlt, und entlaſſen
worden ſeien. Einſt ſei der Redmann gnaͤdiger Herr, der
Waldvogt nur Diener der Einung geweſen; jenen habe man
mit „Sie“, dieſen mit „Du“ angeredet. Die Einung gehoͤre
demnach nicht Oeſterreich, ſondern dem deutſchen Reiche
an; der Kaiſer ſei ihr Schutzherr, und habe vom Kopfe
jaͤhrlich zwoͤlf Kreuzer Schirmgeld zu fodern. Auch St.
Blaſien habe kein Recht auf das Land; dieſes ſei im Jahre
1704 von den Deputirten zu Wien an St. Blaſien verkauft,
und eigen gemacht worden. Eigenſchaft ſei Tyrannei, gegen
welche man ſich mit Gut und Blut wehren muͤſſe, u. ſ. w.“
Solche Mittheilungen verfehlten die Wirkung nicht. Mit
Begeiſterung gelobten mehr als zwei Drittheile der Waldeinung
dem Anfuͤhrer Folgſamkeit und Treue. Es entſtand eine, immer
mehr um ſich greifende, gewaltige Bruderſchaft. Ihre Mit⸗
glieder nannten ſich „Salpetrer“; wer ſich ihnen wider⸗
ſetzte, wurde „Hallunke“ geſcholten. Die Verſammlungen
hatten bei Tag und Nacht, in Haͤuſern, Waͤldern und auf
offenem Felde ſtatt. Je mehr die Koͤpfe ſich gegenſeitig erhitzten,
deſto verworrener wurden die Vorſtellungen, und deſto bluti⸗
ger die Richtung. „Es wird, verſicherten ſie (nach alt
Wiedertaͤuferiſchen Vorſtellungen), unter Gottes Leitung die Zeit
des Patriarchallebens zuruͤckkehren. Alle Fuͤrſten werden ab⸗
geſchafft, Herren und Soldaten todtgeſchlagen, Steuern, Ab—
gaben und Zinſe fuͤr ewig aufgehoben werden. Jedermann
wird frei ſein, und nur das Wort Gottes allein richten.
Die erwaͤhlten Bruͤder theilen ſodann die Guͤter ihrer Gegner
unter ſich. Alle Angelegenheiten ſchlichtet der Hausvater unter
dem Baume vor ſeinem Hauſe im Kreiſe der Seinigen. Bevor
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0032