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aber dieſe Zeit ankommt, muͤſſen die Erwaͤhlten theils in Ge—
faͤngniſſen ſchmachten, theils Martern aller Art und ſogar den
Tod leiden.“
Von ſolchem Wahne bethoͤrt, verfochten dieſe Maͤnner ihre
Freiheit mit Mund und Fauſt gegen jeden, der einen Angriff
oder nur Widerſpruch und Belehrung verſuchte. Wo ſie zahl⸗
reich ſind, darf es kein Seelſorger bei Lebensgefahr wagen,
uͤber die Pflicht des Gehorſams einen Vortrag zu halten.
Roher Volksglaube iſt ihre ganze Religion. Schulen lieben
ſie nur in ſo fern, daß ihre Kinder dereinſt die Schriften vom
Grafen Hanns leſen lernen. Zu keiner oͤffentlichen Laſt
tragen ſie ohne Zwang bei, auch leiſten ſie keiner Herrſchaft
den Eid der Hul digung, außer von Gewalt genoͤthigt; nicht
weil ſie den Eid fuͤrchten, ſondern weil ſie ihn fuͤr heilig hal⸗
ten, und doch ihr Gewiſſen unverſtrickt erhalten wollen, auf
daß ſie, wenn die Zeit herangekommen iſt, ſich ungeſcheut von
aller Herrſchaft losſagen duͤrfen. Reizbare Leidenſchaftlichkeit
kuͤndet ſich ſchon in ihren Mienen an. Uebrigens leben ſie
unter ihren Mitbuͤrgern vermengt, ohne Unterſchied und
Abzeichen.
Sobald ſich Al biez von treuen Bundesgenoſſen umgeben
ſieht, ſchreitet er raſch zur Ausfuͤhrung der berathenen Anſchlaͤge.
Unterſtuͤtzt vom Gelde ſeiner Freunde, begiebt er ſich im Fruͤh⸗
jahr 1726 nach Wien, um vor dem Kaiſer ſelbſt ſeine Klagen
gegen St. Blaſiens Volkszaͤhlung und Foderungen auszugießen.
Sobald aber dort die Regierung Bericht erhaͤlt, wird ihm
unterm 20 ſten Auguſt 1726 befohlen, binnen vier und zwanzig
Stunden die Hauptſtadt zu verlaſſen, und die Beſchwerden,
wofern er ſolche haͤtte, der Landesſtelle zu Freiburg vorzutragen.
Waͤhrend ſeiner Abweſenheit, damals und nachher, beſtellten
Freunde ſeine Guͤter, beſorgten Erndte und Alles fleißig und treu
ohne Entgeld. Heimgekehrt im Herbſte, wußte er Wunderdinge
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