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von ſich zu ruͤhmen. Denn er prahlte: „oft ſei er vor des
Kaiſers Majeſtaͤt erſchienen, landesvaͤterlich habe der Monarch
ſich mit ihm trauten Tones unterhalten, ihm die Hand gegeben,
und verſichert, ihnen muͤſſe geholfen werden; der Kaiſer allein
ſei ihr Herr, St. Blaſiens Anſpruͤche ſeien ungegruͤndet. Große
Herren haben ihn zu Tiſch geladen. Er beſitze einen offenen
Gnadenbrief zur Wahrung ihrer Freiheiten und alten Rechte,
von des Kaiſers eigener Hand unterzeichnet und beſiegelt.
Als er neulich zu Freiburg geweſen, habe ihn ein Regierungsherr
ſeines Benehmens wegen rauh angefahren; er aber habe aus
der Taſche ſogleich den kaiſerlichen Brief herausgezogen und
vorgewieſen; da ſei der Herr erſchrocken, mit baarem Haupt,
und unter Kniebeugen habe er die heilige Urkunde des Kaiſers
geleſen und gekuͤßt.“
Alles Land erſcholl von dieſer Kundſchaft. Albiez wird
vergoͤttert; immer heftiger laͤſtert er St. Blaſiens Stift. Nun
laͤßt ihn der Waldvogt in das buͤrgerliche Gefaͤngniß zu Walds⸗
hut legen, buͤßt ihn um dreißig Thaler, nimmt ihm auch das
Handgeluͤbde ab: „fuͤrderhin wider St. Blaſien nicht zu ſchim⸗
pfen.“ Entlaſſen, ſtuͤrmt er tobend durchs Land, verdoppelt
ſeine Laͤſterung, und deutet ſein Geluͤbde vor den Freunden
dahin: „es ſei ihm verboten worden, zu ſagen, daß, und
warum er ſei geſtraft worden.“ Unruhe bewegt nun den gan⸗
zen Wald. Gegenuͤber ſtehen Joſ. Troͤndle von Rotzell,
Redmann, (1726) und Joſ. Troͤndle, Muͤller zu Unter⸗
alpfen, Einungsmeiſter. Dieſer befand ſich waͤhrend allen
Stuͤrmen unbewegt an der Spitze der rechtlichen Parthei,
welche, von den Salpetrern „Hallunken“ genannt, ſich die
„Muͤllerſche“ oder „Troͤndliſche“ hieß.
In der Fruͤhlingswahl 1727, wo Redmann und Einungs⸗
meiſter unter freiem Himmel erkoren wurden, beſeitigte man
alle Ruhigen, und erhob die Salpetrer zu den Aemtern.
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