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fern das Wort „eigen“ nicht ausgelaſſen ſei, huldige das
Volk nicht.“ Nur vier Stimmen ließen ſi ich bewegen den Eid
zu leiſten.
Noch uͤbler gieng es anderwaͤrts. Zu Birdorf ließ ſich
der Abt, auf die Vorſtellungen des Waldvogts bewegen, das
Wort „eigen“ dahin zu erlaͤutern, daß man auf ewige Zeiten
nichts anders mehr erzielen wolle, als die Gebuͤhren und
Pflichten der Hoͤrigkeit. Allein dieſe Erlaͤuterung kam jetzt zu
ſpaͤt. Hatten ſchon Tags zuvor manche Bauern dem Abt im
Vorbeigehen den Hut nicht geruͤckt, ſo ſchimpften ſie nun unge⸗
ſcheut gegen ihn; hatte manche Frau ihrem Manne auf der
Thuͤrſchwelle im Angeſicht des Abtes nachgerufen: „huldige mir
nicht!“ ſo waren jetzt die Haufen von Weibern ganz durch⸗
mengt, und bald ſchrie eine Frau mit Ingrimm: „wenn du
huldigſt, ſo iſt die Ehe ab!“ und bald ein Maͤdchen: wenn du
huldigſt, ſo iſt unſere Liebe aus!“ Auf gleiche Weiſe ging es
zu Immeneich, wo ſogar die Achtmannen ſich erkuͤhnten,
unverholen Widerſpruch einzulegen.
Keinen beſſern Erfolg hatten die Verfuͤgungen, welche auf
die Beſchwerde St. Blaſiens von der hoͤchſten Landesſtelle zu
Freiburg eintrafen. Denn die Waldleute hatten ſogleich vier
Abgeordnete unmittelbar nach Wien abgeſchickt. Als deßhalb
auch eine Regierungskommiſſion nach Laufenburg abging, um
wo moͤglich noch eine Ausgleichung zu bewirken, erſchienen
auf den angeſetzten Tag kaum dreißig Maͤnner, welche im Na⸗
men der Uebrigen die Huldigung neuerdings und unter den
bitterſten Schmaͤhungen verweigerten. Ein von derſelben Kom⸗
miſſion an den Kirchenthuͤren zu Waldshut, Dogern und ander⸗
waͤrts angeheftetes, gedrucktes Patent wurde abgeriſſen, mit
Fuͤſſen getreten, und nur des kaiſerlichen Adlers geſchont.
Zwar ließ nun die Kommiſſion drei der heftigſten Raͤdelsfuͤhrer
nach Freiburg ins Gefaͤngniß bringen, aber dadurch nahm die
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