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moͤge ihre alten Rechte vom Grafen Hanns handhaben, und mit
ihnen den Kampf gegen St. Blaſien theilen. Der Waldvogt
weiſet ſie zuruͤck; man gehorcht ihm nicht. Nur Freiheit iſt Aller
heißeſter Wunſch, und einziges Streben. Da man zu Freiburg
die Achtmannen in das Gefaͤngniß geworfen hatte, nimmt es
jetzt eine Rotte erhitzter Koͤpfe uͤber ſich, deren Schmach zu
raͤchen. Siẽ durchſtreift, mit Knitteln bewaffnet, naͤchtlicher
Weile den Wald, bricht in die Haͤuſer der Ruhigen ein,
mißhandelt die Bewohner, zerſtoͤrt das Hausgeraͤthe, und
pluͤndert nach Belieben. Johann Biber von Herriſchried wird
faſt zu Tod gemartert; nicht blos einmal muͤſſen alle Muͤller'⸗
ſchen entweichen oder ſich verkriechen, um der Mißhandlung
oder dem Tode zu entrinnen. Kein Mann von Beſonnenheit
ſchließt ſich an die Salpetrer anders als aus Schrecken oder⸗
zum Scheine an. Der ruhige Theil, obgleich der Freiheit
ſehr geneigt, kann nicht abſehen, wie Oeſterreich, als St.
Blaſiens Schirmvogt, dieſes preisgeben koͤnne, oder wolle;
denn dadurch waͤre es in ſeine Reichsunmittelbarkeit
zuruͤckgetreten, und das Reich wuͤrde ſeine Rechte geſchuͤtzt
haben. Die Zeiten der Telle waren voruͤber; die der all⸗
gemeinen Menſchenrechte noch lange nicht reif. Auch ſtand
kein wirklich ausgezeichneter Mann an der Spitze der Salpetrer;
keiner, der durch geiſtige Kraft oder hohe Selbſtaufopferung,
wie ein Brutus, Arnold von Winkelried, oder ein
Franklin und Washington, der Freiheit die Bahn ge⸗
brochen haͤtte. Zwar ſtimmten die benachbarten Schweizer
die geſpannten Gemuͤther noch hoͤher; aber dies kam nicht von
den Schweizerregierungen, ſondern blos von einzelnen, im
Dunkel lebenden Maͤnnern, wie z. B. einem Prediger zu
Mandach, oder einem Dr. Linder zu Baſel. Indeſſen
bietet Muͤller Thoma zu Haſelbach alle Kraͤfte auf; von
allen Seiten ruft er die Verſchwornen zu den Zuſammenkuͤnften,
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