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IV. Loskauf der Einung. Zweiter Salpetrerkrieg. 1738— 1744.
Hoch erfreut uͤber die von St. Blaſien erhaltene Zu⸗
ſtimmung legten die Achtmannen ſogleich Hand an das Werk.
Sie verſammelten die Gemeinden, kleideten ihre Vortraͤge in
ſanft⸗kraͤftige Worte, und vernahmen allenthalben Mann fuͤr
Mann. Von der Geſammtzahl der zweitauſend, ſechshundert
und achtzehn Stimmen fielen volle zweitauſend zweihundert
und neunzig fuͤr den Loskauf aus; nur dreihundert ſieben
und zwanzig Stimmen waren dagegen „theils von Salpetrern,
welche gar nichts ſchuldig zu ſeyn glaubten, theils von ſolchen,
welche lieber alle Laſt ihren Erben zuwaͤlzen wollten.
Mit Vollmacht verſehen, traten nun die Einungsmeiſter
nebſt einem Ausſchuß aller Einungen, im Probſteiſchloß zu
Gurtweil mit St. Blaſiſchen Bevollmaͤchtigten in den erſten
Tagen des Jahres 1738 zuſammen. Nach guͤtlicher Verhand⸗
lung unterzeichneten beide T Theile am 15. Jaͤnner einen Ver⸗
trag, kraft deſſen St. Blaſien auf alle Leibeigenſchaft, und
deren ſaͤmmtliche Ausfluͤſſe fuͤr immer verzichtet; dagegen aber
der Einungsbund 58,000 fl. rhein. — und daran, ſobald
die kaiſerliche Beſtaͤtigung angelangt ſein wuͤrde, 18,000 fl.,
im Jahre 1739 aber 10,000 fl., ebenſoviel in den Jahren 1740,
1741 und 1742, jedes Ziel unverzinslich — zu bezahlen
verſpricht.
Hieruͤber wuͤnſchen ſich alle Redlichen Gluͤck; St. Blaſien,
weil es ſich endlich eines ſo unedlen Haders ledig glaubte;
die Einung, weil ſie mit ſo geringen Koſten ihre Freiheit errang.
Dagegen ergriff Entſetzen die Salpetrer; ſie fiengen neuerdings
an, in Geheim und laut uͤber Verrath und Verkauf des Landes zu
klagen, Verſchworne zu ſammeln, und Waffen zu ruͤſten. Auch
die unterm 11. Brachmonat 1738 erfolgte kaiſerliche Beſtaͤtigung
vermochte es nicht, ihren Sinn zu aͤndern. Erſt ſpaͤter,
naͤmlich im Jahre 1741, erfolgte ein aͤhnlicher Loskauf vom
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