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raſten. Er laͤßt zu Anfang des Jahrs 1739 eine flehentliche
Vorſtellung an den Kaiſer uͤber ihre Lage, Verunglimpfung,
Beſchwerde, Unternehmen, aufſetzen, von vier und zwanzig
Maͤnnern eigenhaͤndig unterſchreiben; und von vier andern aus
der Schweiz, als unpartheiiſchen Zeugen, bekraͤftigen, auch
die Stadt Waldshut zur Zeugenſchaft auffodern. Mit dieſer
Schrift und vielem Gelde begibt ſich Brutſchi nach Schaf—
hauſen, laͤßt da Haar und Bart ſcheeren, ſetzt eine Peruͤcke
auf, verkappt ſich mit einem weißen Kleide in einen Auslaͤnder;
nimmt einen Schreiber, Samuel Widmer an, und reiſet
ſofort unerkannt und unaufgehalten nach Wien, wo er am
28. Hornung 1730 anlangt.
Sehr beſtuͤrzt ihn die ihm entgegenkommende Nachricht, der
Kaiſer habe vier der aufbrauſendſten und unternehmendſten Abge⸗
ordneten, naͤmlich den Hanns Fridli Gersbach, Johann
Marder, Blaſius Hottinger und Joſeph Eckhart,
zugenannt Boͤler, gefaͤnglich nach Freiburg am 25. Hor⸗
nung abfuͤhren, die uͤbrigen in Kerker werfen laſſen. Er
wendet ſich vorderſamſt an P. Toͤnnemann, und erhaͤlt Be⸗
ſcheid. Sowenig ſein Anzug den Salpetrer kenntlich machte,
ſo ſehr verrieth ſein heftiger Poltertritt den gebornen Hotzen
vom Schwarzwalde. Am 4. Maͤrz ſendet er einen treuen Boten
mit einem Briefe an Familie und Freunde herauf, der etwa am
14. anlangte. Weil er darin zu Muth, Treue und wechſel⸗
ſeitigem Beiſtande auffoderte; erregte er Hoffnung fuͤr ſeine
Geſchaͤfte, und die Gemuͤther wurden neuerdings angefeuert.
Spaͤter ward auch er ergriffen und gefeſſelt ſeinen Geſellen zu
Freiburg beigeſchloſſen. Wid mer, der feile Schreiber, ſchleicht
insgeheim von Wien weg, und begiebt ſich als Anwald zu den
Salpetrern.
Als die vier erſten Gefangenen zu Loͤffingen angelangt
waren, ſenden ſie einen Boten mit einem Brieflein an den
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