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Auf den 25. April kuͤndete man dem Joſeph Leber
von Reuti bei Herriſchried das Todesurtheil an; deſſen er
ſchuldig ward, weil er ſeit zehn Jahren, obwohl geſtraft, unaus—
geſetzt Jedermann zum Aufſtand ermunterte, dazu alle Kraͤfte
anſpannte, die Bewaffnung leitete, Eide gab und nahm, und
der Heftigſte zum Soldatenmord antrieb. Er ward bei Alb—
bruck enthauptet; ſein graues, acht und fuͤnfzig jaͤhriges
Haupt auf den Galgen geſteckt, ſein Vermoͤgen eingezogen.
Zugleich empfaͤngt auch der Sachs das Erkenntniß zum
Tode. Dieſer Johann Michael Hartmann von Beßneck
an der Gottsau gebuͤrtig, ehedem Soldat; war vor fuͤnf Jahren
als Landzuͤgling in den Wald gekommen, 36 ½ Jahr alt, ver⸗
ehlicht, mit zwei Kindern. In Finſterlingen hatte er Auf⸗
nahme gefunden. Er naͤhrte ſich von Arbeit. Als er bei
Wehr Anfangs Maͤrz (1739) Holz floͤßte, holte ihn ein Bote
zur Landesvertheidigung; falls er haͤlfe, bot man ihm das Buͤr⸗
gerrecht zu Herriſchried an, widrigenfalls aber ſchluͤge man
ihm Arme und Beine entzwei und laſſe ihn liegen und ver—
ſchmachten. Hartmann folgt. Er wird Hauptmann der
Hadſchiere. Er macht ſich durch eine lange Kette von ent—
ſetzlichen Lugen werth und wichtig. Weil jeder handgreiflich
log, wollte er auch darin den Vorrang behaupten. Er kannte
genau alle Verhaͤltniſſe, und ſetzte mit den frechſten Luͤgen den
Muͤller Troͤndle zu Niederalpfen in den ſchwaͤrzeſten Ver⸗
dacht. Er ordnete Schnapphaͤhne an, beſetzte am 14. Maͤrz
Tiefenſtein und Albbruck; er war es, der mit ſeiner Horde
von drei und ſiebenzig Koͤpfen in der Nacht vom 15 auf den
16 Maͤrz die Doͤrfer Oberalpfen, Bannholz und Re⸗
metswe il jaͤmmerlich quaͤlte und beraubte. Da ließ er als
erfahrner Gauner mehrere Haͤuſer der Ruhigen zugleich um⸗
ſtellen, erſtuͤrmen und auspluͤndern und zwang Viele unter dem
Drohwort: Arme und Beine abzuſchlagen, mit Waffen nach
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