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Kaum hatten die Franzoſen gegen Ablauf des Aprils 1745
das Land geraͤumt, ſo erhebt ſich der Aufruhr auf dem Unter⸗
wald wieder; die Salpetrer, heftiger und grimmiger, als je,
beſchließen, Gewalt anzuwenden. So beſetzen ſie bei der
Fruͤhlingswahl die Einungsſtellen gewaltſam mit Verſchwornen,
darunter auch der Eckbauer. Weder Waldvogt, noch die
wegen der Kriegslaͤufe nach Waldshut uͤberſiedelte Landes⸗
regierung konnte den Ungehorſam brechen. Am 4. Mai erſcheint
Dr. Berger auf der Landgemeinde zu Gerweil, und be⸗
nimmt ſich als oberſter Beamter einer reichsfreien Grafſchaft,
von dieſer dazu erkoren. Nikolai war ſein Gerichtſchreiber.
Hier alſo, auf der alten Landmalſtaͤtte, beeidigt er Redmann
und Einungsmeiſter, auch die Haͤupter der Landfahne; fodert
Rechnung von den entlaſſenen Vorſtaͤnden. Jubel uͤber das
wiedererrungene alte Recht, vom Grafen Hanns geſchenkt,
wiederhallet von Berg zu Berg. Widerſtand, offenen, be⸗
ſonnenen, leiſten die Troͤndle; ſie ſind uͤbermannt, uͤber⸗
ſtuͤrmt, Niemand kann ſie ſchuͤtzen.
Unter dem Vorwande, das Land von den Franzoſen zu
ſaͤubern, bringt Berger vom Kriegsvolke, das zu Spaichin⸗
gen einen Fruchtvorrath bewachen mußte, einen Schwarm
von dreißig fliegenden Huſaren herbei; reicht ihnen Sold,
und durchſtreift mit der Waldfahne den Gau bis Rhein⸗
felden. Ihnen ſteht dort ein Buͤrger, Namens Roͤmer,
bei; zu dem Zuge geſellen ſich Haxrtmann ein Student
von Laufenburg, und der Eckbauer „jetzt ſich nennend
Thoman Edler ab Eck. Finden ſie irgend einen Fran⸗
zoſen, ſo ſagen ſie, St. Blaſien. ſei, wie ſein Anhang,
Frankreichs Freund; Zerſtoͤrung dieſes Kloſters wird berathen.
Sie ſtreifen auf und ab, erpreſſen Geld und Sold, pluͤn⸗
dern und wuͤthen unbarmherzig. Das Volk allein, ſprechen
ſie, ſei ihnen Obrigkeit; ſonſt keine Richter, keine Geſetze,
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