http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0078
keine Gerechtigkeit. So ſtuͤrmte verwuͤſtend der Haufe von
Dorf zu Dorf und bereicherte ſich mit der Habe der Ruhigen,
die uͤber die Graͤnzen entfliehen mußten. Lange tobte dieſer
Sturm, die Landwehr geſellt ſich dazu; ſchaͤumend, rache⸗
knirſchend verheeren ſie Haͤuſer, verderben der Ruhigen Eigen⸗
thum, ſchlagen wild manche Schuldloſe todt, ſchleppen Gefan⸗
gene von Keller zu Keller, von Loch zu Loch, bis in die Waͤlder
bei Gersbach uͤber der Wehr. Um dieſes alles bezwecken
zu koͤnnen, drangen ſiebenhundert der verwegenſten Salpetrer
ſchon am 1. Mai 1745 in Waldshut ploͤtzlich ein, be—
ſtuͤrmten das Waldvogteiamthaus mit Bengeln und Gabeln,
nahmen die von der Entwaffnung 1739 hinterlegten Flinten
und Waffen, und trugen ſie nach Gerweil; wo Dr. Ber⸗
ger dieſelben vertheilte, den Landſturm ordnete, buͤrgerliche
und kriegeriſche Verfuͤͤgungen traf. Einen ganzen Monat
waltete der verwuͤſtende, wilde Troß, hingegeben zuͤgelloſem
und rohem Taumel, wie in dem Trauerjahre 1525; als ob
ihrer Sache gewiß, ſaͤumten die Salpetrer nicht, ſich in die
Guͤter verjagter, unſtet umherirrender Hallunken zu theilen.
In Eile ſendet jedoch der Wienerhof unter dem Hauptmann
Pommer, von Bregenz her, ſechzig Huſaren mit zwei
Feldſtuͤcken den Unterdruͤckten zu Huͤlfe; einen Schwarm, der
unterwegs durch Pluͤnderung Schuldloſer ſeine Roheit bezeich⸗
nete. Durch dieſe werden die Salpetrerhaͤupter am Pfingſt⸗
feſte (6. Brachmonat 1745) zu Laufenburg insgeſammt
uͤberraſcht, entwaffnet, ergriffen, in Kerker geworfen. Die
Streifhorde der dreißig von Berger herbeigerufenen Huſaren
(von Spaichingen) zieht ab. Berger, Nikolai, der Eck⸗
bauer werden nach Konſtanz und Innsbruck abgefuͤhrt.
Man erwartete nun von der Zeit, ſie werde allmaͤhlig
die Ruhe herſtellen. Von Innsbruck liefen ſanft-ernſte
Abmahnungsbriefe ein, und M. Thereſi ia ſelbſt ſandte ein
4*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/meyer1837/0078